Hege & Naturschutz

Einführung in die Wildhege – Hegeauftrag §1 BJagdG

Die Hege ist die wichtigste Verpflichtung des Jägers. Das Bundesjagdgesetz (§1 BJagdG) stellt die Hege vor die Jagdausübung. Wer jagt, muss hegen – und wer h…

ca. 8 Min. Aktualisiert am 10.6.2026 Redaktion & Prüfung

Die Hege ist die wichtigste Verpflichtung des Jägers. Das Bundesjagdgesetz (§1 BJagdG) stellt die Hege vor die Jagdausübung. Wer jagt, muss hegen – und wer hegt, trägt Verantwortung für Wild und Lebensraum.

Der Hegeauftrag – §1 BJagdG

Wortlaut §1 Abs. 2 BJagdG: „Die Hege hat zum Ziel die Erhaltung eines den landschaftlichen und landeskulturellen Verhältnissen angepassten artenreichen und gesunden Wildbestandes sowie die Pflege und Sicherung seiner Lebensgrundlagen."

Schlüsselbegriffe: • „Angepasst": Wildbestand muss zu Landschaft und Landwirtschaft passen – kein überhöhter Bestand! • „Artenreich": Nicht nur eine Art fördern, sondern Vielfalt erhalten • „Gesund": Krank oder schwach erscheinende Stücke bevorzugt entnehmen (Selektionsprinzip) • „Lebensgrundlagen": Biotophege ist gleichrangig mit Bestandshege

Hegeziel: Biotophege vs. Bestandshege

Biotophege (Lebensraumhege) • Verbesserung und Erhaltung der Lebensräume • Anlage von Hecken, Blühstreifen, Wildäckern, Kleingewässern • Nachhaltigste Form der Hege: wirkt für alle Arten • Kooperation mit Landwirtschaft und Naturschutz notwendig

Bestandshege (regulierende Hege) • Bestandsregulierung durch gezielten Abschuss (Abschussplan) • Geschlechterverhältnis und Altersstruktur steuern • Kranke und schwache Stücke entnehmen (Selektionsprinzip) • Ziel: gesunder, standortangepasster Bestand

Schützende Hege • Schutz vor natürlichen und künstlichen Störungen • Prädatorenmanagement (gesetzlich erlaubte Regulierung) • Ruhezonen im Revier; Störungsminimierung in Brutzeit und Setzzeit

Hegemaßnahmen im Jahresablauf

Frühjahr (März–Mai) • Prädatorenregulierung (Hauptsaison für Fuchs, Krähe, Elster) • Aufstellen von Kunstnestern und Brutkästen • Sichtkontrolle aller Hochsitze und Jagdeinrichtungen • Ansaat von Wildäckern und Blühstreifen

Sommer (Juni–August) • Ruhephase: wenig Eingriffe in Brut- und Setzzeit • Beobachten und Zählen (Wildkameras, Ansitze) • Pflege von Blühstreifen und Wildäckern

Herbst (September–November) • Hauptjagdzeit; Streckenauswertung • Abschussplanung überprüfen • Salzlecken erneuern, Wildäcker umbrechen und neu ansäen

Winter (Dezember–Februar) • Fütterungskontrolle (bei Notzeit) • Abschussplan erfüllen • Heckenpflege (Auf-den-Stock-setzen) • Hochsitz-Instandhaltung

Revierplan und Organisation

  • Revierplan: schriftliche Übersicht aller Hegemaßnahmen im Revier (freiwillig, aber empfohlen)
  • Hegering: lokaler Zusammenschluss von Revierinhabern
  • Hegegemeinschaft: revierübergreifende Koordination für bestimmte Wildarten (z. B. Rotwild)
  • Kreisjägerschaft: übergeordnete Ebene; koordiniert Abschusspläne und Fortbildung
  • Landesjägerschaft NRW: Dachorganisation; vertritt Jäger gegenüber Politik und Behörden

Zusammenarbeit mit Naturschutz und Landwirtschaft

  • Hege und Naturschutz sind keine Gegensätze – Biotophege ist aktiver Naturschutz
  • Kooperationspartner: Landwirte (Blühstreifen, Stoppelfelder), Naturschutzverbände, Forstbehörden
  • Konflikte entstehen bei: überhöhten Beständen und Wildschäden, Fütterungsstrategien, Prädatorenmanagement
  • Lösung: Dialog, Transparenz und gemeinsame Ziele formulieren

Passend dazu