Hege & Naturschutz

Biotophege und Lebensraumgestaltung

Biotophege ist die nachhaltigste Form der Hege – und die wirkungsvollste. Statt einzelne Wildarten direkt zu fördern, wird der Lebensraum so gestaltet, dass …

ca. 8 Min. Aktualisiert am 10.6.2026 Redaktion & Prüfung

Biotophege ist die nachhaltigste Form der Hege – und die wirkungsvollste. Statt einzelne Wildarten direkt zu fördern, wird der Lebensraum so gestaltet, dass er dauerhaft Deckung, Äsung und Brutmöglichkeit für alle Arten bietet. Jeder Jäger kann Biotophege betreiben – unabhängig von Revierart und Budget.

Hecken und Feldgehölze anlegen

Hecken sind die wichtigsten Strukturelemente im Offenland für Hase, Rebhuhn und Fasan.

Anlage • Breite: mindestens 5–10 m (optimal 10–15 m); schmalere Hecken haben kaum Deckungswert • Aufbau: mehrreihig, Außenreihen mit dornigen Sträuchern (Schlehe, Weißdorn), Mitte mit höheren Arten • Artenmischung: heimische Arten – Schlehe, Weißdorn, Haselnuss, Holunder, Hartriegel, Hagebutte • Orientierung: quer zur Hauptwindrichtung → Windschutz für Niederwild

Pflege • Auf-den-Stock-setzen: alle 10–15 Jahre abschnittsweise (nie ganze Hecke auf einmal!) • Zeitpunkt: Oktober bis Februar (außerhalb der Brutzeit) • Randstreifen ungemäht lassen: Krautsaum als Übergang

Benjeshecke • Totholzwall aus Ästen und Reisig als schnelle Deckungsstruktur • Begrünt sich innerhalb von 2–3 Jahren durch Sameneintrag • Kostengünstig, auch in kleinen Revieren umsetzbar

Blühstreifen

  • Breite: mindestens 6 m (unter 6 m kaum Wirkung für Insekten und Niederwild)
  • Saatmischung: heimische einjährige und mehrjährige Wildkräuter und -blumen
  • Standorte: Ackerränder, Wegränder, Gewässerrandstreifen, Feldkanten
  • Wirkung: Insektenförderung (Bestäuber), Kükennahrung (Rebhuhn!), Deckung
  • Nicht umbrechen vor dem Winter → Samen und Überwinterungshabitat
  • Kooperation mit Landwirt: Agrarumweltmaßnahmen (z. B. NRW-Programm Ländlicher Raum)

Wildäcker

Zweck: gezielte Äsungsverbesserung und Deckung, kombiniert mit Insektenförderung.

Ansaat-Mischungen nach Zielsetzung • Reh und Feldhase: Luzerne, Rotklee, Weißklee, Wildkräuter (mehrjährig) • Rebhuhn und Fasan: Buchweizen, Sonnenblume, Hirse (einjährig, offene Struktur) • Schwarzwild-Ablenkung: Mais, Steckrüben, Rüben (fernab sensibler Flächen) • Ganzjahresäcker: mehrjährige Mischungen aus Klee, Kräutern, Gräsern

Management • Fläche: mindestens 0,5 ha pro 100 ha Revierfläche (empfohlen 1–2 ha) • Nicht vor dem Winter umbrechen: Struktur und Samen bleiben erhalten • Wechselsaaten: jedes Jahr Neuanlage auf einem Teil der Fläche → frische Struktur

Gewässerrandstreifen

  • 5–10 m breiter unbewirtschafteter Streifen entlang von Bächen und Gräben
  • Verhindert Nährstoffeintrag ins Gewässer (Erosionsschutz)
  • Bietet Deckung für Ente, Blesshuhn, Reiher; Laichzone für Amphibien
  • Gesetzlich in NRW vorgeschrieben (Wassergesetz NRW), aber Jäger können mehr tun

Totholz belassen

  • Stehendes Totholz (Biotopbaum): Brutplatz für Hohltaube, Spechte, Fledermäuse
  • Liegendes Totholz: Lebensraum für Käfer, Pilze, Molche, Igel
  • Mindestens 5–10 Biotopbäume pro Hektar als Zielgröße (forstlicher Naturschutz)
  • Keine wirtschaftliche Nutzung aber hoher ökologischer Wert

Kooperation mit Landwirten

  • Landwirte sind die wichtigsten Partner des Jägers für Biotophege!
  • Gemeinsame Antragsstellung für Agrarumweltmaßnahmen (AUM, ELER-Programme)
  • Vertragslandwirtschaft: Jäger zahlt Aufwandsentschädigung für Blühstreifen
  • Stoppelfelder nach der Ernte stehen lassen (Herbst/Winter): Nahrung und Deckung für Niederwild
  • Dialog auf Augenhöhe: Wildschäden ansprechen, Lösungen anbieten (Verbissschutz, Zäune)

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