Hege & Naturschutz
Biotophege und Lebensraumgestaltung
Biotophege ist die nachhaltigste Form der Hege – und die wirkungsvollste. Statt einzelne Wildarten direkt zu fördern, wird der Lebensraum so gestaltet, dass …
Biotophege ist die nachhaltigste Form der Hege – und die wirkungsvollste. Statt einzelne Wildarten direkt zu fördern, wird der Lebensraum so gestaltet, dass er dauerhaft Deckung, Äsung und Brutmöglichkeit für alle Arten bietet. Jeder Jäger kann Biotophege betreiben – unabhängig von Revierart und Budget.
Hecken und Feldgehölze anlegen
Hecken sind die wichtigsten Strukturelemente im Offenland für Hase, Rebhuhn und Fasan.
Anlage • Breite: mindestens 5–10 m (optimal 10–15 m); schmalere Hecken haben kaum Deckungswert • Aufbau: mehrreihig, Außenreihen mit dornigen Sträuchern (Schlehe, Weißdorn), Mitte mit höheren Arten • Artenmischung: heimische Arten – Schlehe, Weißdorn, Haselnuss, Holunder, Hartriegel, Hagebutte • Orientierung: quer zur Hauptwindrichtung → Windschutz für Niederwild
Pflege • Auf-den-Stock-setzen: alle 10–15 Jahre abschnittsweise (nie ganze Hecke auf einmal!) • Zeitpunkt: Oktober bis Februar (außerhalb der Brutzeit) • Randstreifen ungemäht lassen: Krautsaum als Übergang
Benjeshecke • Totholzwall aus Ästen und Reisig als schnelle Deckungsstruktur • Begrünt sich innerhalb von 2–3 Jahren durch Sameneintrag • Kostengünstig, auch in kleinen Revieren umsetzbar
Blühstreifen
- Breite: mindestens 6 m (unter 6 m kaum Wirkung für Insekten und Niederwild)
- Saatmischung: heimische einjährige und mehrjährige Wildkräuter und -blumen
- Standorte: Ackerränder, Wegränder, Gewässerrandstreifen, Feldkanten
- Wirkung: Insektenförderung (Bestäuber), Kükennahrung (Rebhuhn!), Deckung
- Nicht umbrechen vor dem Winter → Samen und Überwinterungshabitat
- Kooperation mit Landwirt: Agrarumweltmaßnahmen (z. B. NRW-Programm Ländlicher Raum)
Wildäcker
Zweck: gezielte Äsungsverbesserung und Deckung, kombiniert mit Insektenförderung.
Ansaat-Mischungen nach Zielsetzung • Reh und Feldhase: Luzerne, Rotklee, Weißklee, Wildkräuter (mehrjährig) • Rebhuhn und Fasan: Buchweizen, Sonnenblume, Hirse (einjährig, offene Struktur) • Schwarzwild-Ablenkung: Mais, Steckrüben, Rüben (fernab sensibler Flächen) • Ganzjahresäcker: mehrjährige Mischungen aus Klee, Kräutern, Gräsern
Management • Fläche: mindestens 0,5 ha pro 100 ha Revierfläche (empfohlen 1–2 ha) • Nicht vor dem Winter umbrechen: Struktur und Samen bleiben erhalten • Wechselsaaten: jedes Jahr Neuanlage auf einem Teil der Fläche → frische Struktur
Gewässerrandstreifen
- 5–10 m breiter unbewirtschafteter Streifen entlang von Bächen und Gräben
- Verhindert Nährstoffeintrag ins Gewässer (Erosionsschutz)
- Bietet Deckung für Ente, Blesshuhn, Reiher; Laichzone für Amphibien
- Gesetzlich in NRW vorgeschrieben (Wassergesetz NRW), aber Jäger können mehr tun
Totholz belassen
- Stehendes Totholz (Biotopbaum): Brutplatz für Hohltaube, Spechte, Fledermäuse
- Liegendes Totholz: Lebensraum für Käfer, Pilze, Molche, Igel
- Mindestens 5–10 Biotopbäume pro Hektar als Zielgröße (forstlicher Naturschutz)
- Keine wirtschaftliche Nutzung aber hoher ökologischer Wert
Kooperation mit Landwirten
- Landwirte sind die wichtigsten Partner des Jägers für Biotophege!
- Gemeinsame Antragsstellung für Agrarumweltmaßnahmen (AUM, ELER-Programme)
- Vertragslandwirtschaft: Jäger zahlt Aufwandsentschädigung für Blühstreifen
- Stoppelfelder nach der Ernte stehen lassen (Herbst/Winter): Nahrung und Deckung für Niederwild
- Dialog auf Augenhöhe: Wildschäden ansprechen, Lösungen anbieten (Verbissschutz, Zäune)