Hege & Naturschutz

Sträucher, Krautpflanzen und giftige Pflanzen

Sträucher sind unverzichtbare Strukturelemente des Jagdreviers: Sie liefern Deckung, Äsung und Brutplatz für Niederwild. Gleichzeitig wachsen im Revier gefäh…

ca. 8 Min. Aktualisiert am 10.6.2026 Redaktion & Prüfung

Sträucher sind unverzichtbare Strukturelemente des Jagdreviers: Sie liefern Deckung, Äsung und Brutplatz für Niederwild. Gleichzeitig wachsen im Revier gefährlich giftige Pflanzen, die der Jäger sicher erkennen muss – für die Prüfung und die tägliche Praxis.

Wichtige Sträucher – Äsungswert und Deckungswert

Brombeere (Rubus fruticosus) und Himbeere (Rubus idaeus) • Dornige Ranken bilden dichte Dickungen → hoher Deckungswert für Niederwild • Früchte: bedeutender Äsungswert für Vögel, Fuchs, Dachs und Reh • Junge Triebe und Blätter: Frühjahrsäsung für Reh und Hase

Hagebutte / Hundsrose (Rosa canina) • Rote Hagebutten mit sehr hohem Vitamin-C-Gehalt: wichtige Winteräsung für Vögel und Reh • Dornige Triebe bieten gute Deckung; besiedelt Böschungen, Wegränder, Waldmäntel • Äsungswert: sehr hoch (Früchte), Deckungswert: mittel bis hoch

Schlehe / Schwarzdorn (Prunus spinosa) • Blüht VOR dem Blattaustrieb – weiße Blüten im März/April an noch kahlen Ästen • Sehr dornig: bildet nahezu undurchdringliche Hecken → höchster Deckungswert für Rebhuhn, Fasan und Brutvögel • Früchte (Schlehen) ab Oktober, nach erstem Frost süßer → hoher Äsungswert für Vögel, Hasen und Reh • Merke: SCHWARZdorn = blüht VOR den Blättern (dunkel, früh)

Weißdorn (Crataegus monogyna / laevigata) • Blüht NACH dem Blattaustrieb – weiße Blüten im Mai/Juni • Dornig; rote Früchte (Mehlbeeren) im Herbst → hoher Äsungswert für Vögel und Kleinsäuger • Bildet zusammen mit Schlehe die wertvollste Niederhecke im Revier • Merke: WEIßdorn = blüht NACH den Blättern (hell, spät)

Holunder / Schwarzer Holunder (Sambucus nigra) • Schwarze Beerendolden (August/September): hoher Äsungswert für Drosseln und Stare • Stickstoffzeiger – häufig an nährstoffreichen Standorten, Waldrändern und alten Hofstellen • Deckungswert mittel (verliert Blätter früh) • Roter Holunder (Sambucus racemosa): rote Traubenbeeren – roh giftig für Menschen!

Hartriegel (Cornus sanguinea) • Leuchtend rote Zweige – im Winter besonders auffällig; gegenständige Blätter • Schwarze Steinfrüchte: Äsung für Vögel; Deckungswert mittel • Häufig in Hecken und Waldmänteln; zeigt basenreiche Standorte an

[Vergleichstabelle: Äsungswert wichtiger Sträucher] Strauch Frucht Äsungswert Deckungswert Schlehe Schlehen hoch sehr hoch Weißdorn Mehlbeeren hoch hoch Hagebutte Hagebutten sehr hoch mittel-hoch Holunder Beeren hoch mittel Brombeere Beeren hoch sehr hoch Hartriegel Steinfrüchte mittel mittel

GIFTIGE Pflanzen – sicher erkennen!

Eibe (Taxus baccata) • Alle Teile außer dem roten Fruchtmantel (Arillus) sind giftig – der Samen im Mantel ist ebenfalls giftig! • Rote becherförmige Früchte mit grünem Samen im Inneren; immergrüne, flache, zweizeilig angeordnete Nadeln • Wirkstoff: Taxin → schädigt das Herz; bereits kleine Nadelmengen tödlich für Pferde und Rinder • Rotwild und Reh fressen Eibe gut verträglich → deshalb oft starker Verbiss an Eiben • Kein anderes heimisches Nadelgehölz hat rote Beeren → immer Eibe, immer Vorsicht!

Tollkirsche (Atropa belladonna) • Glänzend schwarze, kirschgroße Beeren – äußerst verführerisch aussehend • Wirkstoff: Atropin, Scopolamin → Halluzinationen, Herzrasen, Tod • Bereits 3–5 Beeren können für Kinder tödlich sein • Standorte: Waldlichtungen, Kahlschläge, Wegränder – typisches Gewächs nach Holzeinschlag • Blätter: groß, weichhaarig, unangenehm riechend

Seidelbast (Daphne mezereum) • Rosa/violette Blüten VOR dem Blattaustrieb – direkt an den Ästen, bereits im Februar/März • Rote Beeren ab Sommer; bereits 10–12 Beeren können tödlich sein • Pflanzensaft verursacht Hautverätzungen; streng geschützt! • Wächst in Buchenwäldern und Schluchtwäldern; kein Dorn

Herbstzeitlose (Colchicum autumnale) • Lila Blüten im Herbst OHNE Blätter – Blätter erscheinen erst im Frühjahr! • Wirkstoff: Colchicin – hemmt Zellteilung; tödlich für Weidetiere und Menschen • Gesamte Pflanze giftig, auch nach dem Trocknen (im Heu!); besonders gefährlich im Grünland • Prüfungstrick: Blüte ohne Blätter im Herbst = Herbstzeitlose!

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