Hege & Naturschutz
Nicht-jagdbare Säugetiere
Neben den jagdbaren Wildarten leben im Revier zahlreiche Säugetiere, die nicht dem Jagdrecht unterliegen. Sie sind ökologisch bedeutsam, streng oder besonder…
Neben den jagdbaren Wildarten leben im Revier zahlreiche Säugetiere, die nicht dem Jagdrecht unterliegen. Sie sind ökologisch bedeutsam, streng oder besonders geschützt – und für Jäger in Prüfung und Praxis relevant.
Igel (Erinaceus europaeus)
- Ca. 8.000 Stacheln (modifizierte Haare aus Keratin) – einzige Verteidigungswaffe
- Nachtaktiv; Winterschlaf Oktober bis April (Körpertemperatur sinkt auf ca. 5 °C)
- Nahrung: Insekten, Schnecken, Regenwürmer, Mäuse – wichtiger Schädlingsvertilger
- Besonders geschützt nach §44 BNatSchG
- Gefährdung: Mähroboter (größtes aktuelles Risiko!), Straßenverkehr, Gartenchemie, Laubbläser
- Revierrelevanz: Igel sind Nützlinge – Schutz ist im Interesse des Jägers
Maulwurf (Talpa europaea)
- Vollständig unterirdisch lebend; Schaufelhände zum Graben (keine Spitzmaus!)
- Nahrung: Regenwürmer und Insektenlarven – kein Pflanzenfresser
- Besonders geschützt – töten oder fangen verboten
- Maulwurfshügel: sichtbares Zeichen, keine Schäden an Pflanzen
- Ökologischer Nutzen: Bodenlockerung, Frisst Engerlinge und Drahtwürmer
- Spitzmäuse (Soricidae): ähnlich klein, aber spitze Schnauze, oberirdisch aktiv, Insektenfresser – ebenfalls besonders geschützt
Fledermäuse (Chiroptera)
• Einzige flugfähige Säugetiere der Welt! • Alle 25 deutschen Arten streng geschützt nach BNatSchG + FFH-Anhang IV • Orientierung durch Echoortung (Ultraschall, 20–120 kHz) • Wichtige Insektenjäger: eine Fledermaus frisst bis zu 3.000 Insekten pro Nacht • Winterschlaf in Gebäuden, Höhlen, Stollen, Kellern (Oktober–März/April) → Störungen im Winterschlaf können tödlich sein – Energiereserven reichen nicht für vorzeitiges Erwachen! • Sommerquartiere: Baumhöhlen, Dachböden, hinter Fassadenverkleidungen • Wochenstuben: Kolonien von Weibchen mit Jungtieren (Juni/Juli) – besonders störungsempfindlich • Bedrohungen: Quartierverlust durch Gebäudesanierungen, Windkraftanlagen, Insektenrückgang
Haselmaus (Muscardinus avellanarius)
- Kleinster Bilch (Schläfer); orange-braun, großäugig, buschiger Schwanz
- Lebt in Hecken, Gebüschen und Waldrändern – namensgebend für Haselnussgestrüpp
- FFH-Anhang IV: streng geschützt, europarechtlich bedeutsam
- Winterschlaf: Oktober bis April (ca. 7 Monate!)
- Baut kugelförmige Nester aus Gras und Rinde in Hecken
- Revierrelevanz: Nachweis der Haselmaus kann Bauvorhaben und Reviermaßnahmen beeinflussen
Siebenschläfer (Glis glis)
- Größter Bilch; grau, eichhörnchenähnlich, aber ohne Pinselohren
- Namensgebung: 7 Monate Winterschlaf (September bis April)
- Lebt in Laubwäldern und Obstgärten; besonders geschützt
- Nahrung: Nüsse, Eicheln, Früchte, Insekten – Schäden in Obstgärten und Dachböden möglich