Hege & Naturschutz

Insekten und ihre Bedeutung

Insekten sind die unsichtbare Grundlage des jagdlichen Ökosystems. Ohne sie kein Niederwild, ohne sie kein Feldhasenbestand. Ihr dramatischer Rückgang ist ei…

ca. 7 Min. Aktualisiert am 10.6.2026 Redaktion & Prüfung

Insekten sind die unsichtbare Grundlage des jagdlichen Ökosystems. Ohne sie kein Niederwild, ohne sie kein Feldhasenbestand. Ihr dramatischer Rückgang ist eine der größten Herausforderungen für die Hege – und für den Jäger handlungsrelevant.

Bedeutung für Jäger und Wildtiere

Bestäubungsleistung – die unterschätzte Verbindung • Bienen und Hummeln bestäuben Wildblumen, Kleearten und Wildkräuter → Äsungsgrundlage für Feldhase! • Ohne Bestäuber keine Wildblumen → kein Lebensraum, keine Äsung für Hasen, Rebhuhn und Wachtel • Wildbienen: über 560 Arten in Deutschland – viele davon streng geschützt! • Honigbiene (Apis mellifera): streng geschützt nach BNatSchG – Töten oder Stören verboten

Insekten als Tiernahrung • Küken der Hühnervögel (Fasan, Rebhuhn, Wachtel): bis 90 % tierische Nahrung in den ersten 2–3 Lebenswochen • Fast alle heimischen Singvögel füttern ihre Jungen ausschließlich mit Insekten • Fledermäuse, Spitzmäuse und Igel: vollständig auf Insekten angewiesen • Iltis und Hermelin: fressen auch Insektenlarven

Insektenrückgang – Zahlen und Fakten

  • Krefelder Studie (2017): -75 % Fluginsekten-Biomasse in Deutschland seit 1989 (27 Jahre!)
  • Rückgang betrifft Biomasse, nicht nur Artenzahl – selbst häufige Arten werden seltener
  • Regionale Studien bestätigen ähnliche Trends in NRW
  • Konsequenz: Rebhuhnküken verhungern – Kükensterb­lichkeit ist Hauptursache des Rebhuhnrückgangs

Ursachen des Insektenrückgangs • Pestizide (Insektizide, Herbizide): direkte Tötung und Vernichtung von Nahrungspflanzen • Monokulturen und ausgeräumte Landschaft: fehlende Blütenvielfalt und Strukturen • Lichtverschmutzung: Nachtfalter und nachtaktive Insekten werden desorientierten Strahlungsquellen angelockt und sterben • Verlust von Brachen, Feldrainen und Ackerrandstreifen

Jagdliche Maßnahmen gegen Insektenrückgang

Blühstreifen • Mindestens 6 m breit; heimische einjährige und mehrjährige Blühmischungen • Standorte: Ackerränder, Wegränder, Gewässerrandstreifen • Wirkung: rasche Besiedlung durch Insekten → innerhalb einer Saison nachweisbar

Wildäcker • Luzerne, Klee, Wildkräuter, Buchweizen: liefern Blüten über die gesamte Saison • Kombination Äsung + Insektenförderung = Synergie für Niederwild • Nicht umbrechen vor dem Winter → Überwinterungshabitat für Insekten

Weitere Maßnahmen • Totholz belassen: Lebensraum für holzbewohnende Käfer und Wildbienen • Stoppelfelder über Winter stehen lassen: Insekten und Samen für Feldvögel • Verzicht auf Pestizide auf jagdlich genutzten Flächen • Insektenhotel und Sandlinsen als Nistmöglichkeiten für Wildbienen

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