Hege & Naturschutz
Insekten und ihre Bedeutung
Insekten sind die unsichtbare Grundlage des jagdlichen Ökosystems. Ohne sie kein Niederwild, ohne sie kein Feldhasenbestand. Ihr dramatischer Rückgang ist ei…
Insekten sind die unsichtbare Grundlage des jagdlichen Ökosystems. Ohne sie kein Niederwild, ohne sie kein Feldhasenbestand. Ihr dramatischer Rückgang ist eine der größten Herausforderungen für die Hege – und für den Jäger handlungsrelevant.
Bedeutung für Jäger und Wildtiere
Bestäubungsleistung – die unterschätzte Verbindung • Bienen und Hummeln bestäuben Wildblumen, Kleearten und Wildkräuter → Äsungsgrundlage für Feldhase! • Ohne Bestäuber keine Wildblumen → kein Lebensraum, keine Äsung für Hasen, Rebhuhn und Wachtel • Wildbienen: über 560 Arten in Deutschland – viele davon streng geschützt! • Honigbiene (Apis mellifera): streng geschützt nach BNatSchG – Töten oder Stören verboten
Insekten als Tiernahrung • Küken der Hühnervögel (Fasan, Rebhuhn, Wachtel): bis 90 % tierische Nahrung in den ersten 2–3 Lebenswochen • Fast alle heimischen Singvögel füttern ihre Jungen ausschließlich mit Insekten • Fledermäuse, Spitzmäuse und Igel: vollständig auf Insekten angewiesen • Iltis und Hermelin: fressen auch Insektenlarven
Insektenrückgang – Zahlen und Fakten
- Krefelder Studie (2017): -75 % Fluginsekten-Biomasse in Deutschland seit 1989 (27 Jahre!)
- Rückgang betrifft Biomasse, nicht nur Artenzahl – selbst häufige Arten werden seltener
- Regionale Studien bestätigen ähnliche Trends in NRW
- Konsequenz: Rebhuhnküken verhungern – Kükensterblichkeit ist Hauptursache des Rebhuhnrückgangs
Ursachen des Insektenrückgangs • Pestizide (Insektizide, Herbizide): direkte Tötung und Vernichtung von Nahrungspflanzen • Monokulturen und ausgeräumte Landschaft: fehlende Blütenvielfalt und Strukturen • Lichtverschmutzung: Nachtfalter und nachtaktive Insekten werden desorientierten Strahlungsquellen angelockt und sterben • Verlust von Brachen, Feldrainen und Ackerrandstreifen
Jagdliche Maßnahmen gegen Insektenrückgang
Blühstreifen • Mindestens 6 m breit; heimische einjährige und mehrjährige Blühmischungen • Standorte: Ackerränder, Wegränder, Gewässerrandstreifen • Wirkung: rasche Besiedlung durch Insekten → innerhalb einer Saison nachweisbar
Wildäcker • Luzerne, Klee, Wildkräuter, Buchweizen: liefern Blüten über die gesamte Saison • Kombination Äsung + Insektenförderung = Synergie für Niederwild • Nicht umbrechen vor dem Winter → Überwinterungshabitat für Insekten
Weitere Maßnahmen • Totholz belassen: Lebensraum für holzbewohnende Käfer und Wildbienen • Stoppelfelder über Winter stehen lassen: Insekten und Samen für Feldvögel • Verzicht auf Pestizide auf jagdlich genutzten Flächen • Insektenhotel und Sandlinsen als Nistmöglichkeiten für Wildbienen