Hege & Naturschutz

Ökosystemleistungen, Klimawandel und der Jäger als Naturschützer

Natur leistet weit mehr als Erholung und Schönheit. Ökosystemleistungen sichern das menschliche Wohlergehen direkt – sauberes Wasser, fruchtbare Böden, saube…

ca. 8 Min. Aktualisiert am 10.6.2026 Redaktion & Prüfung

Natur leistet weit mehr als Erholung und Schönheit. Ökosystemleistungen sichern das menschliche Wohlergehen direkt – sauberes Wasser, fruchtbare Böden, saubere Luft und ein stabiles Klima. Wildtiere und Wälder spielen dabei eine zentrale Rolle. Jäger sind durch ihr Revierhandeln unmittelbar in den Schutz dieser Leistungen eingebunden.

Ökosystemleistungen – was Natur für uns leistet

Regulationsleistungen (Funktionen, die Umweltbedingungen stabilisieren): • Wasserfilterung und -reinigung: Feuchtgebiete, Auenwälder filtern Schadstoffe aus dem Wasser • CO₂-Bindung und Klimaregulation: Wälder, Moore, Böden binden Kohlenstoff • Hochwasserschutz: Intakte Auwälder und Moore dämpfen Hochwasserspitzen • Bestäubung: Insekten (Wildbienen, Schmetterlinge) bestäuben ca. 80 % aller Nutzpflanzen • Biologische Schädlingskontrolle: Greifvögel, Fledermäuse, Insektenfresser regulieren Schädlingspopulationen

Versorgungsleistungen (direkte Nutzung natürlicher Ressourcen): • Nahrung: Wild als hochwertiges Naturprodukt; Pilze, Beeren, Honig • Rohstoffe: Holz (nachwachsend), Fasern, Trinkwasser • Genetische Ressourcen: Wildpflanzen als Reservoirkandidaten für Nutzpflanzen

Kulturelle Leistungen (immaterielle Werte): • Erholung und Tourismus: Intakte Natur als Grundlage für Freizeit • Bildung und Wissenschaft: Artenvielfalt als Lehr- und Forschungsgegenstand • Identität und Heimatgefühl: Kulturlandschaft prägt regionale Identität

Klimawandel – Auswirkungen auf Wildtiere und Vegetation

Phänologische Veränderungen (zeitliche Verschiebung biologischer Ereignisse): • Früherer Vegetationsbeginn: Schälfraum verlängert sich → mehr Wildschäden im Frühling • Frühere Brunft und Setzzeit beim Reh möglich (Temperatursensitivität) • Verschobene Zugzeiten: Zugvögel kommen früher, manche überwintern nun in Deutschland • Phänologische Mismatch-Gefahr: Insektenschlupf und Vogelbrut entkoppeln sich zeitlich

Arealverschiebungen: • Wärmeliebende Arten breiten sich nordwärts aus: Goldschakal (erstmals in NRW), Bienenfresser, Wiedehopf • Kälteangepasste Arten weichen zurück: Alpenschneehuhn, Birkwild (Hochlagen) • Neue Parasiten und Krankheiten durch mildere Winter: Zecken ganzjährig aktiv, neue Vektoren

Waldveränderungen: • Trockenheit und Borkenkäfer: Fichtensterben großflächig in Deutschland • Klimaresistente Baumarten: Umbau zu Mischwäldern mit Eiche, Buche, Tanne • Verändertes Äsungsangebot durch veränderte Baumartenverteilung • Wasserverfügbarkeit: Trockensommer reduzieren Tränken und Suhlen

Jäger als Naturschützer – konkrete Maßnahmen im Revier

Hege und Lebensraumpflege: • Anlage von Wildäckern und Äsungsflächen: Nahrungsangebot für Niederwild verbessern • Heckenanpflanzung und -pflege: Deckung für Niederwild, Brut für Vogelarten, Biotopverbund • Tränkenanlagen: Saubere Wasserstellen im Revier • Brutinseln für Wasservögel, Nistkästen für Höhlenbrüter

Artenschutzmaßnahmen: • Kitzrettung vor dem Mähen (Drohnen, Vergrämung) • Horstschutz: Keine Ansitzleitern, keine Forstkarbeiten nahe Greifvogelhorsten in der Brutzeit • Prädatorenmanagement: Bejagung von Fuchs, Krähe, Elster zum Schutz von Bodenbrütern

Monitoring: • Zählung von Wildbeständen, Meldesysteme für neue Arten (Wolf, Goldschakal, ASP) • Meldung von Fallwild und Seuchenverdacht

Passend dazu