Hege & Naturschutz
Artenschutz: Rote Liste, CITES, Prädatorenmanagement und invasive Arten
Artenschutz ist der gezielte Schutz einzelner Tier- und Pflanzenarten durch rechtliche, praktische und wissenschaftliche Maßnahmen. Für Jäger ist Artenschutz…
Artenschutz ist der gezielte Schutz einzelner Tier- und Pflanzenarten durch rechtliche, praktische und wissenschaftliche Maßnahmen. Für Jäger ist Artenschutz nicht abstrakt – er ist tägliche Praxis: Schonzeiten einhalten, Brutplätze schützen und als Prädatorenmanager gefährdeten Bodenbrütern helfen.
Rote Liste – wissenschaftliche Gefährdungsbewertung
- Rote Liste der BRD (Bundesamt für Naturschutz) und Rote Listen der Länder (NRW)
- Kein Gesetz, keine direkte Rechtspflicht – aber wichtige Grundlage für Schutzmaßnahmen
- Rote Liste-Kategorien (IUCN-System):
- 0 / RE: Ausgestorben oder verschollen
- 1 / CR: Vom Aussterben bedroht (Critically Endangered)
- 2 / EN: Stark gefährdet (Endangered)
- 3 / VU: Gefährdet (Vulnerable)
- V: Vorwarnliste (Near Threatened)
- G: Gefährdung unbekannten Ausmaßes
- D: Daten unzureichend
Prüfungsrelevante Rote-Liste-Arten (NRW): • Rebhuhn: Rote Liste NRW 2 (stark gefährdet); jagdrechtlich unterstellt, ganzjährig geschont • Feldlerche: Rote Liste NRW 3 (gefährdet); nicht jagdbar • Kiebitz: Rote Liste NRW 2; ganzjährig geschont • Großer Brachvogel: Rote Liste NRW 1 (vom Aussterben bedroht)
CITES – Washingtoner Artenschutzübereinkommen (1973)
- CITES = Convention on International Trade in Endangered Species of Wild Fauna and Flora
- Regelt internationalen Handel mit gefährdeten Tier- und Pflanzenarten
- Anhang I: Vollständiges Handelsverbot; Arten vom Aussterben bedroht (z. B. Tigerfelle, Elfenbein)
- Anhang II: Handel nur mit Exportgenehmigung des Herkunftslandes (z. B. viele Greifvögel, Papageien)
- Anhang III: Einseitig von einem Staat gelistete Arten
Bedeutung für Jäger: • Trophäen von Anhang-I/II-Arten erfordern CITES-Papiere beim Import! • Beispiel: Löwentrophäe aus Afrika → CITES Anhang II → Ein- und Ausfuhrgenehmigung • Lebende Tiere: Falknereivögel (Greifvögel) – strenge Nachweispflicht über Herkunft (Ringpflicht!)
Prädatorenmanagement als Artenschutzmaßnahme
- Prädatorenmanagement: Gezielte Bejagung von Fressfeinden zum Schutz gefährdeter Arten
- Rechtsgrundlage: § 2 BJagdG, § 27 BJagdG (Schutz von Niederwild durch Jagd)
- Ziel: Reduktion von Fuchsdichte, Krähen- und Elsternbestand zum Schutz von:
- Rebhuhn, Kiebitz, Feldlerche, Bekassine (Bodenbrüter)
- Hase, Kaninchen, Fasan (Niederwild)
- Belege: Studien zeigen deutlichen Zusammenhang zwischen hoher Prädatorendichte und niedrigen Bodenbrüterbeständen
- NRW: Prädatorenmanagement ist Bestandteil guter Revierpraxis
- Wichtig: Prädatorenmanagement kann gesetzlichen Artenschutz nicht ersetzen, sondern ergänzt ihn
Invasive Arten – EU-Verordnung 1143/2014
- Invasive Arten: Aus anderen Regionen eingeschleppte Arten, die heimische Ökosysteme schädigen
- EU-VO 1143/2014 „Invasive gebietsfremde Arten": Unionsliste mit verbotenen Arten
- Rechtliche Konsequenzen: Einführungsverbot, Haltungsverbot, Verbreitungsverbot, Bekämpfungspflicht
Für Jäger relevante invasive Arten: • Mink (Amerikanischer Nerz, Neovison vison): Raubt Wasser- und Ufervogelgelege; NRW-Bejagung • Waschbär (Procyon lotor): Prädator von Bodenbrütergelegen; jagdbar • Marderhund (Nyctereutes procyonoides): Prädator von Gelegen und Bodenbrütern; jagdbar • Nutria (Myocastor coypus): Schäden an Uferbepflanzung und Dämmen; jagdbar • Nilgans: Verdrängt heimische Wasservögel; NRW jagdbar