Wildbiologie & Wildkunde
Weihen – Rohrweihe, Kornweihe, Wiesenweihe
Weihen sind schlanke Greifvögel der offenen Landschaft. Ihr wichtigstes Erkennungsmerkmal ist der niedrige, gaukelnde Suchflug dicht über Boden, Schilf oder …
Weihen sind schlanke Greifvögel der offenen Landschaft. Ihr wichtigstes Erkennungsmerkmal ist der niedrige, gaukelnde Suchflug dicht über Boden, Schilf oder Feldfrucht, häufig mit leicht V-förmig angehobenen Flügeln. Für die Prüfung sind Rohrweihe, Kornweihe und Wiesenweihe relevant.
Gemeinsame Merkmale
- schlanker Körper, lange schmale Flügel und langer Stoß
- niedriger gaukelnder Suchflug über offener Landschaft
- Flügel im Suchflug häufig in flacher V-Stellung
- ausgeprägter Unterschied zwischen Männchen und Weibchen in der Färbung
- Bodenbrüter oder bodennahe Brut in Schilf, Moor, Heide, Grünland oder Feldfrucht
- Nahrung vor allem Kleinsäuger, Kleinvögel, Eier, Jungvögel, Amphibien und Insekten je nach Art und Angebot
[Bild: /images/abbildungen/sg1/rohrweihe_vstellung.png Rohrweihe im niedrigen Suchflug mit V-Stellung der Flügel über Schilf h:520
Rohrweihe
- größte und in vielen Regionen häufigste der drei behandelten Weihen
- typisch an Schilf- und Röhrichtgebieten, aber auch über Feldern jagend
- Weibchen dunkelbraun mit cremefarbenem Kopf-, Kehl- oder Schulterbereich
- Männchen kontrastreicher mit grauen Flügelpartien, dunklen Flügelspitzen und braunen Tönen
- Nest meist im Röhricht oder in deckungsreicher Vegetation
- Nahrung vielseitig: Kleinvögel, Jungvögel, Eier, Kleinsäuger, Amphibien und Aasanteile möglich
Kornweihe
- offene Landschaften, Moore, Heiden, Küstenbereiche und im Winter Agrarlandschaften
- Männchen hellgrau mit schwarzen Flügelspitzen
- Weibchen braun, mit hellem Bürzel; solche Weibchen/Jungvögel werden im Feld oft als „Ringtail" bezeichnet
- in Deutschland als Brutvogel selten, als Durchzügler und Wintergast wichtiger
- jagt niedrig über Felder, Wiesen und Feuchtflächen
- Verwechslung mit Wiesenweihe vor allem bei Weibchen und Jungvögeln
Wiesenweihe
- sehr schlanke Weihe offener Agrarlandschaften, Wiesen und strukturreicher Feldfluren
- Männchen grau mit dunklen Flügelbinden und schwarzen Flügelspitzen
- Weibchen braun mit hellem Bürzel, dadurch ähnlich weiblicher Kornweihe
- Langstreckenzieher mit Winterquartieren in Afrika
- brütet häufig in Getreidefeldern; Nester können bei Mahd und Ernte gefährdet sein
- Schutzmaßnahmen in der Praxis: Nestersuche, Markierung, Absprache mit Landwirtschaft und Aussparen des Nestbereichs
Weihen im Vergleich
[Vergleichstabelle: Rohrweihe, Kornweihe und Wiesenweihe Merkmal Rohrweihe Kornweihe Wiesenweihe Eindruck größer, kräftiger mittelgroß, offenlandtypisch sehr schlank und langflügelig Lebensraum Schilf, Röhricht, Gewässerränder, Felder Moore, Heiden, Küsten, Winterfelder Agrarlandschaft, Wiesen, Getreidefelder Männchen braun-grau kontrastreich hellgrau mit schwarzen Flügelspitzen grau mit dunklen Flügelbinden Weibchen dunkelbraun mit cremefarbenem Kopfbereich braun mit hellem Bürzel braun mit hellem Bürzel Brut Röhricht/deckungsreiche Vegetation Bodenbrut in Offenland häufig Getreidebrut Prüfungsfalle nicht jeder braune Greifvogel ist Bussard Weibchen vs. Wiesenweihe schwierig Nestschutz in Landwirtschaft kennen
Jagdrechtlicher Lernhinweis
Weihen sind Greifvögel mit hohem Schutzstatus und nicht als regulär bejagbares Federwild zu lernen. Für die Prüfung genügt in der Wildkunde meist: Art erkennen, Lebensraum kennen, Brutbiologie verstehen und Horst-/Neststörungen vermeiden. Konkrete rechtliche Vorschriften werden im Rechtsteil behandelt.
Typische Prüfungsfragen
- Woran erkennt man eine Weihe im Flug?
- Welche Weihe brütet häufig im Schilf?
- Warum ist die Wiesenweihe in der Landwirtschaft besonders schutzbedürftig?
- Was bedeutet der helle Bürzel bei Korn- und Wiesenweihe?
- Welche Verwechslungsgefahr besteht zwischen weiblicher Kornweihe und weiblicher Wiesenweihe?