Wildbiologie & Wildkunde
Haarwild – Systematik und Überblick
Haarwild bezeichnet jagdlich die dem Jagdrecht unterliegenden wildlebenden Säugetiere. Der Begriff grenzt diese Gruppe vom Federwild ab, also von den dem Jag…
Haarwild bezeichnet jagdlich die dem Jagdrecht unterliegenden wildlebenden Säugetiere. Der Begriff grenzt diese Gruppe vom Federwild ab, also von den dem Jagdrecht unterliegenden Vogelarten. Für die Jägerprüfung ist Haarwild ein Grundlagenartikel: Hier werden zoologische Systematik, jagdrechtliche Einordnung, Gebissmerkmale, Jägersprache und typische Verwechslungen zusammengeführt.
Jagdrechtliche Einordnung
Welche Tierarten Wild im Sinne des Jagdrechts sind, bestimmt § 2 Bundesjagdgesetz. Die Länder können weitere Tierarten dem Jagdrecht unterstellen oder strengere Schutz- und Schonregelungen treffen. Deshalb darf aus „unterliegt dem Jagdrecht" nie automatisch „darf bejagt werden" gemacht werden. Gerade bei Wolf, Luchs, Wildkatze, Fischotter, Greifvögeln oder bestimmten Vogelarten ist diese Unterscheidung prüfungsrelevant.
- Haarwild: dem Jagdrecht unterliegende Säugetiere
- Federwild: dem Jagdrecht unterliegende Vogelarten
- Jagdbar heißt nicht automatisch aktuell bejagbar
- Schonzeiten, ganzjährige Schonung, Landesrecht und Artenschutzrecht können die Jagdausübung ausschließen
- Für die App werden konkrete Jagdzeiten separat und bundeslandspezifisch gelernt, nicht in diesem Wildkunde-Artikel
Systematische Einordnung nach Ordnungen
Jagdrechtliche Gruppen und zoologische Ordnungen sind nicht deckungsgleich. In der Prüfung wird häufig gefragt, ob ein Tier ein Paarhufer, Raubtier, Hasenartiger oder Nagetier ist. Diese Einordnung erklärt Körperbau, Gebiss, Äsung und Lebensweise besser als bloße Alltagssprache.
1. Paarhufer (Artiodactyla): Rehwild, Rotwild, Damwild, Sikawild, Elchwild, Muffelwild, Gamswild, Steinwild, Schwarzwild und Wisent. Sie laufen auf Schalen; Schwarzwild ist dabei der Sonderfall, weil es Schalenwild, aber kein Wiederkäuer ist. 2. Raubtiere (Carnivora): Fuchs, Dachs, Steinmarder, Baummarder, Iltis, Hermelin, Mauswiesel, Fischotter, Wildkatze, Luchs, Wolf, Waschbär, Marderhund und weitere Arten je nach Rechtsstand. Entscheidend ist das Raubtiergebiss mit Fangzähnen und Reißzähnen. 3. Hasenartige (Lagomorpha): Feldhase, Wildkaninchen und Schneehase. Sie sind keine Nagetiere; im Oberkiefer sitzen hinter den vorderen Schneidezähnen kleine Stiftzähne. 4. Nagetiere (Rodentia): jagdlich relevante Arten können je nach Bundes- und Landesrecht zum Beispiel Murmeltier, Nutria oder Bisam sein. Kennzeichnend ist ein Paar ständig nachwachsender Schneidezähne je Kiefer. 5. Robben (Carnivora, Überfamilie der hundeartigen Raubtiere): Seehund und Kegelrobbe sind jagdrechtlich relevant, in der Ausbildung aber meist Randthemen mit starkem Schutzbezug.
Gebiss als Schlüsselmerkmal
Das Gebiss ist ein sehr gutes Ordnungsmerkmal und hilft beim Verständnis der Äsung. Wiederkäuendes Schalenwild besitzt vorne im Oberkiefer keine Schneidezähne, sondern eine Kauplatte. Schwarzwild hat dagegen als Allesfresser ein vollständigeres Gebiss mit Schneidezähnen im Oberkiefer. Raubwild besitzt Fang- und Reißzähne. Hasenartige und Nagetiere zeigen dauerhaft wachsende Schneidezähne, unterscheiden sich aber durch die Stiftzähne der Hasenartigen.
[Vergleichstabelle: Gebissmerkmale beim Haarwild Gruppe Gebissmerkmal Prüfungsnutzen Wiederkäuendes Schalenwild Oberkiefer vorne ohne Schneidezähne, Kauplatte Abgrenzung zu Schwarzwild und Raubwild Schwarzwild Allesfressergebiss mit Schneide-, Eck- und Backenzähnen Sonderfall: Schalenwild, aber kein Wiederkäuer Raubwild Fangzähne und Reißzähne Erkennen der Ordnung Raubtiere Hasenartige Zwei Schneidezahnpaar-Anlagen im Oberkiefer, darunter Stiftzähne Unterscheidung von Nagetieren Nagetiere Ein Paar ständig wachsender Schneidezähne je Kiefer Erkennen von Nagegebiss und Nagespuren
Jagdliche Gruppen im Überblick
[Vergleichstabelle: Haarwild-Gruppen für die Prüfung Jagdliche Gruppe Typische Arten Kernwissen Schalenwild Reh-, Rot-, Dam-, Sika-, Muffel-, Gams-, Stein-, Schwarz-, Elch- und Wisentwild Schalen, Kopfschmuck, Wiederkäuer-Ausnahme Schwarzwild Raubwild Fuchs, Dachs, Marder, Iltis, Wiesel, Waschbär, Marderhund Raubtiergebiss, Prädation, Seuchen, Neozoen Großraubwild Wolf, Luchs, Wildkatze Schutzstatus, Monitoring, Konfliktmanagement Hasenartige Feldhase, Wildkaninchen, Schneehase Stiftzähne, Fortpflanzung, Krankheiten, Niederwildhege Jagdlich relevante Nagetiere Murmeltier, Nutria, Bisam; Biber je nach Landesrecht/Schutzstatus beachten Nagegebiss, Lebensraum, Wildschaden- und Artenschutzbezug
Weidmännische Begriffe für Haarwild
- Decke: Fell/Haut des Schalenwildes und vieler Haarwildarten
- Schwarte: Haut des Schwarzwildes
- Balg: Fell/Haut bei Raubwild und Niederwild, besonders beim Abbalgen
- Läufe: Beine
- Haupt: Kopf
- Träger: Hals beim Schalenwild
- Lichter: Augen
- Lauscher: Ohren beim Schalenwild
- Löffel: Ohren bei Hase und Kaninchen
- Teller: Ohren beim Schwarzwild
- Äser: Maul beim Schalenwild
- Gebrech: Rüssel-/Maulbereich beim Schwarzwild
- Wedel: Schwanz beim Schalenwild, besonders beim Rotwild; beim Reh nur sehr kurz
- Blume: Schwanz beim Hasen und Kaninchen
- Lunte: Schwanz beim Fuchs
- Rute: Schwanz bei Marder, Dachs und vielen Raubwildarten
Typische Prüfungsfragen
- Was ist der Unterschied zwischen Haarwild und Federwild?
- Warum sind Hasenartige keine Nagetiere?
- Welche Haarwildarten gehören zum Schalenwild?
- Warum ist Schwarzwild Schalenwild, aber kein Wiederkäuer?
- Was bedeutet „unterliegt dem Jagdrecht" im Unterschied zu „darf bejagt werden"?
- Welche jagdsprachlichen Begriffe gelten für Ohren, Augen, Fell, Schwanz und Maul?
Häufige Fehler
- Haarwild mit allen wildlebenden Säugetieren gleichsetzen
- „Dem Jagdrecht unterliegend" mit „jagdbar" oder „mit Jagdzeit" gleichsetzen
- Hasenartige als Nagetiere bezeichnen
- Schwarzwild als Wiederkäuer einordnen
- Balg, Decke und Schwarte falsch verwenden
- Bundesrecht und Landesrecht vermischen, besonders bei geschützten Arten und Neozoen