Wildbiologie & Wildkunde
Fuchs
Der Rotfuchs (Vulpes vulpes) ist das häufigste heimische Raubwild Deutschlands und eine der wichtigsten Haarwildarten der Jägerprüfung. Seine große Anpassung…
[Bild: /images/wildarten/fuchs.png Rotfuchs im Lebensraum h:580
Der Rotfuchs (Vulpes vulpes) ist das häufigste heimische Raubwild Deutschlands und eine der wichtigsten Haarwildarten der Jägerprüfung. Seine große Anpassungsfähigkeit, die typische Fortpflanzungsbiologie, die intensive Jägersprache sowie seine Bedeutung als Beutegreifer und als Wirt bestimmter Parasiten machen ihn besonders prüfungsrelevant.
Systematik und Stellung
- Ordnung: Raubtiere (Carnivora)
- Familie: Hundeartige (Canidae)
- Gattung: Vulpes
- Art: Rotfuchs (Vulpes vulpes)
- Der Rotfuchs ist die einzige in Deutschland heimische Art der Gattung Vulpes
- Jagdlich gehört der Fuchs zum Haarwild
Der Fuchs ist kein katzenartiges Tier, sondern ein Hundeartiger. Seine bei Tageslicht schlitzförmig wirkenden Pupillen, sein anschleichendes Jagdverhalten und seine große Gewandtheit dürfen nicht darüber hinwegtäuschen, dass er zoologisch klar zu den Caniden gehört.
Körperbau und Maße
- Schulterhöhe: meist etwa 35 bis 40 cm
- Kopf-Rumpf-Länge: meist etwa 60 bis 90 cm
- Lunte: meist etwa 30 bis 45 cm
- Gewicht: Rüde meist etwa 5 bis 10 kg, Fähe meist etwa 4 bis 8 kg
- Körperbau: schlank, langgestreckt und sehr beweglich
- Fang: lang und spitz
- Lunte: buschig und meist mit heller Spitze
- Ohren: verhältnismäßig groß, spitz und auf der Rückseite dunkel
- Pupillen: bei Helligkeit schlitzförmig, an Dämmerung und Nacht angepasst
Gebiss und Zähne
Der Fuchs besitzt das für Hundeartige typische Raubtiergebiss. Für die Prüfung ist wichtig, dass Fangzähne und Reißzähne funktionell klar zugeordnet werden können und dass sich das Gebiss deutlich vom Wiederkäuergebiss des Schalenwildes unterscheidet.
- Dauergebiss: 42 Zähne
- Zahnformel der Caniden: 3-1-4-2 / 3-1-4-3 je Kieferhälfte
- Die langen Fangzähne dienen dem Ergreifen und Festhalten der Beute
- Die Reißzähne zerschneiden Fleisch und Sehnen
- Backenzähne zermahlen zusätzliche Nahrung wie Insekten, Früchte oder pflanzliche Kost
- Der Zahnwechsel erfolgt im ersten Lebenshalbjahr
- Am Gebiss lassen sich Alter, Ernährung und Gesundheitszustand mitbeurteilen
[Bild: https://ibfhfxobisazdywjqxka.supabase.co/storage/v1/object/public/bilder/abbildungen/sg1/fuchs-gebiss-v1.png Schematische Abbildung des Fuchsgebisses mit Fangzähnen, Reißzähnen und Backenzähnen sowie kleinem Vergleich zum Wiederkäuergebiss. h:430
Balg und Farbvarianten
Die Grundfärbung des Rotfuchses ist rotbraun mit heller Unterseite, dunklen Läufen und meist heller Luntenspitze. In der jagdlichen Ausbildung werden mehrere Farbvarianten unterschieden.
- Brandfuchs: kräftig rotbraune Grundfärbung
- Birkfuchs: deutlich hellere, gelblichere oder silbrig helle Variante
- Kohlfuchs: sehr dunkle, stark schwärzlich überlaufene Variante
- Kreuzfuchs: dunkler Längsstreifen auf dem Rücken mit ausgeprägter dunkler Schulterzeichnung
- Silberfuchs: sehr dunkle bis schwarze Form mit silbrig aufgehellten Haarspitzen
- Sommerbalg: kürzer und stumpfer
- Winterbalg: dichter, länger und glänzender
[Bild: /images/abbildungen/sg1/fuchs_biologie_infografik.png Biologie und wichtige Merkmale des Rotfuchses h:620
Sinne
- Gehör: hervorragend entwickelt; der Fuchs kann Mäuse auch unter Schnee oder dichter Vegetation orten
- Geruchssinn: sehr gut ausgeprägt und wichtig für Nahrungssuche, Reviermarkierung und Fortpflanzung
- Gesichtssinn: an Dämmerung und Nacht angepasst; besonders bewegungsempfindlich
- Lernvermögen: sehr hoch, deshalb gilt der Fuchs als besonders anpassungsfähig
Lebensweise und Bau
Der Fuchs ist ein ausgesprochener Kulturfolger. Er besiedelt Wälder, Feldreviere, Heckenlandschaften, Ortsränder und selbst große Städte. Seine Aktivität liegt vor allem in Dämmerung und Nacht, in ruhigen Gebieten kann er aber auch tagaktiv sein.
- Streifgebiete variieren stark; häufig liegen sie etwa im Bereich von 100 bis 500 Hektar, in Städten oft deutlich kleiner
- Füchse leben meist einzeln, in Paaren oder in Familiengruppen
- Den Bau nutzt der Fuchs vor allem zur Jungenaufzucht und in der Ranzzeit
- Er gräbt Baue selbst oder erweitert vorhandene Baue, etwa von Dachs oder Kaninchen
- Fuchsbaue besitzen oft mehrere Röhren und Kessel
- Ein gemeinsames oder wechselndes Nutzen desselben Bausystems durch Fuchs und Dachs ist möglich
Ernährung
Der Fuchs ist ein Allesfresser mit deutlichem Schwerpunkt auf Kleinsäugern.
- Hauptbeute: Mäuse, besonders Feld- und Wühlmäuse
- Weitere Nahrung: Kaninchen, junge Hasen, Bodenbrüter, Eier, Insekten und Regenwürmer
- Dazu kommen Beeren, Früchte, Mais, Aas und in Siedlungen auch menschliche Abfälle
- Der Fuchs nutzt vor allem leicht erreichbare Nahrungsquellen und ist deshalb ein opportunistischer Allesfresser
- Typische Jagdtechnik auf Mäuse: der Mäuselsprung
Fortpflanzung
- Ranzzeit: meist von Dezember bis Februar, Schwerpunkt häufig im Januar und Februar
- Tragzeit: rund 52 Tage
- Wurfzeit: meist März bis Anfang April
- Wurfgröße: häufig 4 bis 6 Welpen, größere Würfe sind möglich
- Die Welpen werden blind geboren und öffnen nach etwa 12 bis 14 Tagen die Augen
- Die Fähe säugt die Jungen, der Rüde beteiligt sich an Versorgung und Schutz
- Mit etwa vier Wochen verlassen die Welpen regelmäßig den Bau
- Im Sommer und Herbst werden die Jungfüchse zunehmend selbständig
Krankheiten und gesundheitliche Bedeutung
- Tollwut: historisch die wichtigste Fuchskrankheit in Deutschland; seit 2008 gilt Deutschland als frei von terrestrischer Tollwut, der letzte Fall bei einem Fuchs wurde 2006 festgestellt
- Kleiner Fuchsbandwurm (Echinococcus multilocularis): Der Rotfuchs ist ein wichtiger Endwirt; für den Menschen ist die alveoläre Echinokokkose als Zoonose bedeutsam
- Räude: milbenbedingte Hauterkrankung mit starkem Juckreiz, Haarausfall, Abmagerung und oft schlechtem Allgemeinzustand
- Staupe: Virusinfektion bei Hunde- und Marderartigen; für ungeimpfte Hunde jagdpraktisch bedeutsam
Jägersprache beim Fuchs
- Rüde: männlicher Fuchs
- Fähe: weiblicher Fuchs
- Welpe: Jungfuchs
- Geheck: gesamter Wurf
- Balg: Haut mit Haaren
- Lunte: Schwanz
- Gehöre: Ohren
- Seher: Augen
- Fang: Maul beziehungsweise Schnauzenbereich
- Branten: Pfoten
- Ranz: Paarungszeit
- Schnüren: typische geradlinige Gangart, bei der die Hinterläufe möglichst in die Spur der Vorderläufe treten
- Einfahren und Ausfahren: in den Bau hinein- oder aus dem Bau herausgehen
- Sprengen: Fuchs mit dem Erdhund aus dem Bau bringen
Jagd auf den Fuchs
Konkrete Jagdzeiten und einzelne jagdrechtliche Vorgaben richten sich immer nach dem jeweils geltenden Landesrecht. Für die Prüfung sollten deshalb keine veralteten oder bundesweit verallgemeinerten Zeitangaben gelernt werden.
- Ansitzjagd, häufig an passenden Wechseln, an der Feldkante oder an Luderplätzen
- Lockjagd, zum Beispiel mit Mauspfeifchen oder anderen Fuchslockern
- Baujagd mit geeigneten Erdhunden
- Fallenjagd nur im Rahmen der landesrechtlichen und tierschutzrechtlichen Vorgaben
- Bewegungsjagden können Fuchsbejagung mit einschließen
- Führende Elterntiere und der Schutz der Jungenaufzucht sind besonders zu beachten
Ökologische Bedeutung
- Der Fuchs wirkt als wichtiger Beutegreifer auf Mäuse und andere Kleinsäuger
- Als Aasfresser trägt er auch zur Beseitigung organischen Materials bei
- Gleichzeitig kann er bei hoher Dichte erheblichen Druck auf Bodenbrüter und Niederwild ausüben
- Seine Anpassungsfähigkeit macht ihn zu einem prägenden Beutegreifer in Kulturlandschaften
Typische Prüfungsfragen
1. Zu welcher Familie gehört der Fuchs und wie lautet sein wissenschaftlicher Name? 2. Wie ist das Gebiss des Fuchses aufgebaut und wie viele Zähne besitzt er? 3. Was ist der Mäuselsprung? 4. Wann ist die Ranz und wann werden die Welpen geboren? 5. Was bedeutet Burgfrieden zwischen Fuchs und Dachs? 6. Warum ist der Kleine Fuchsbandwurm für den Menschen wichtig?
Häufige Fehler in der Prüfung
- den Fuchs zoologisch nicht sauber den Hundeartigen zuordnen
- Ähnlichkeiten zu Katzen übertreiben und daraus falsche Merkmale wie einziehbare Krallen ableiten
- Lunte und Balg mit allgemeiner Umgangssprache statt mit Jägersprache benennen
- Ranz, Tragzeit und Wurfzeit durcheinanderbringen
- den Fuchsbandwurm als Krankheit des Fuchses statt als zoonotisch wichtigen Parasiten missverstehen
- veraltete oder landesrechtlich unpassende Jagdzeiten nennen