Wildbiologie & Wildkunde

Feldhase

Der Feldhase (Lepus europaeus) ist ein klassisches Niederwild der offenen und halboffenen Kulturlandschaft. Er gehört zu den Hasenartigen, nicht zu den Naget…

ca. 12 Min. Aktualisiert am 22.6.2026 Redaktion & Prüfung

Der Feldhase (Lepus europaeus) ist ein klassisches Niederwild der offenen und halboffenen Kulturlandschaft. Er gehört zu den Hasenartigen, nicht zu den Nagetieren. Für die Jägerprüfung sind vor allem Stiftzähne, Sasse, Löffel, Blume, Nestflüchter, Superfötation, Kette nicht vorhanden und die Abgrenzung zum Wildkaninchen wichtig.

Systematik und Gebiss

  • Ordnung: Hasenartige (Lagomorpha)
  • Familie: Hasen (Leporidae)
  • Art: Feldhase (Lepus europaeus)
  • kein Nagetier
  • typisch für Hasenartige: zweites kleines Schneidezahnpaar im Oberkiefer, die Stiftzähne
  • insgesamt 28 Zähne
  • keine Eckzähne; zwischen Schneide- und Backenzähnen liegt eine Zahnlücke, das Diastema
  • Schneidezähne wachsen ständig nach und werden durch Nagen/Äsen abgenutzt

Körperbau und Merkmale

  • Körperlänge meist etwa 50 bis 70 cm
  • Gewicht häufig etwa 3 bis 6 kg
  • lange Löffel mit schwarzen Spitzen
  • kräftige Hinterläufe für schnellen Fluchtlauf
  • Blume: oben dunkel bis schwarz, unten weiß
  • erdbrauner Balg mit guter Tarnwirkung
  • seitlich stehende Seher mit großem Sehfeld
  • typisches Hakenschlagen bei der Flucht

Sasse und Lebensweise

Der Feldhase lebt nicht in einem Bau. Er ruht in der Sasse, einer flachen, oberirdischen Mulde, die Schutz durch Tarnung und Windabdeckung bietet. Bei Gefahr drückt er sich zunächst flach in die Sasse und flüchtet oft erst spät. Er ist überwiegend dämmerungs- und nachtaktiv und lebt außerhalb der Rammelzeit eher einzelgängerisch.

  • Sasse: oberirdische Ruhemulde
  • kein unterirdisches Röhrensystem
  • standorttreu, aber mit Streifgebieten in der Feldflur
  • setzt auf Tarnung, Drücken und schnellen Fluchtlauf
  • guter Geruchs- und Gehörsinn
  • reiner Pflanzenfresser
  • Blinddarmkot wird zur besseren Nährstoffverwertung wieder aufgenommen

Nahrung

  • Wildkräuter, Gräser und junge Pflanzenteile
  • Feldfrüchte und Getreide
  • Sämereien und Knospen
  • im Winter auch Rinde und verholzte Pflanzenteile
  • strukturreiche Feldflur bietet bessere Nahrung als monotone Großschläge

Fortpflanzung

  • Rammelzeit kann früh im Jahr beginnen und bis in den Spätsommer reichen
  • Rammler verfolgen die Häsin; das sogenannte Hasenboxen ist Paarungs- und Abwehrverhalten
  • Tragzeit etwa 42 Tage
  • mehrere Sätze pro Jahr möglich
  • Junghasen sind Nestflüchter: behaart, sehend und weit entwickelt
  • Häsin säugt meist nur kurz und selten, häufig einmal täglich
  • Junghasen liegen einzeln verteilt, damit nicht der ganze Satz auf einmal gefährdet ist

Krankheiten und Verluste

Der Feldhase ist durch Lebensraumqualität, Witterung, Landwirtschaft und Krankheiten beeinflusst. Besonders Junghasen reagieren empfindlich auf kalte, nasse Witterung und frühe Mahd. Prüfungsrelevant sind außerdem Zoonosen und Wildkrankheiten, weil erlegtes oder gefundenes Fallwild hygienisch korrekt behandelt werden muss.

  • Tularämie beziehungsweise Hasenpest: Zoonose, beim Umgang mit Fallwild wichtig
  • EBHS: European Brown Hare Syndrome, virale Erkrankung des Feldhasen
  • Kokzidiose und weitere Parasitosen können Jungtiere schwächen
  • Straßenverkehr und landwirtschaftliche Maschinen verursachen Verluste
  • Fuchs, Greifvögel, Rabenvögel, Marderartige, Hunde und Katzen können Junghasen gefährden

Bestand und Hege

Bestandsrückgänge beim Feldhasen haben viele Ursachen. Entscheidend sind Lebensraumverlust, fehlende Deckung, Insekten- und Kräuterarmut, frühe Mahd, Pestizideinsatz, Witterung, Straßenverkehr und Prädation. Gute Hasenhege bedeutet vor allem strukturreiche, kleinteilige Feldflur mit Deckung und Nahrung über das ganze Jahr.

  • Blühstreifen, Brachen und Altgrasstreifen
  • Hecken, Feldraine und strukturreiche Ackerränder
  • Stoppelbrachen und Winterdeckung
  • wildtierfreundliche Mahd und Kitz-/Junghasenrettung analog zur Wildtierrettung
  • Prädatorenmanagement nur zusammen mit Lebensraumverbesserung
  • Besatzdichte über Scheinwerfertaxation oder Revierbeobachtung einschätzen

Feldhase vs. Wildkaninchen

[Vergleichstabelle: Feldhase vs. Wildkaninchen Merkmal Feldhase Wildkaninchen Lebensraum offene Feldflur, Sasse Baukolonien, Röhrensysteme Löffel lang, schwarze Spitzen kürzer, ohne schwarze Spitzen Hinterläufe lang und kräftig kürzer, kompakter Körper Jungtiere Nestflüchter, behaart und sehend Nesthocker, nackt und blind Sozialform eher Einzelgänger Kolonien möglich Flucht schneller Lauf, Hakenschlagen kurzer Sprint zum Bau

Jagdrechtlicher Lernhinweis

Der Feldhase unterliegt dem Jagdrecht, konkrete Jagdzeiten und regionale Einschränkungen sind jedoch landesrechtlich geregelt. Wegen stark unterschiedlicher Besätze verzichten viele Reviere freiwillig auf Bejagung oder bejagen nur bei ausreichender Besatzdichte. Die App lernt konkrete Zeiten getrennt nach Bundesland.

Typische Prüfungsfragen

  • Warum ist der Feldhase kein Nagetier?
  • Was ist eine Sasse?
  • Was ist Superfötation?
  • Wie unterscheiden sich Hase und Kaninchen?
  • Warum sind Junghasen Nestflüchter?
  • Welche Ursachen hat der Rückgang des Feldhasen?

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