Wildbiologie & Wildkunde

Damwild

Das Damwild (Dama dama) ist eine mittelgroße Hirschart und steht in Körpergröße und Gewicht zwischen Reh- und Rotwild. Es war nach der letzten Eiszeit in Mit…

ca. 12 Min. Aktualisiert am 22.6.2026 Redaktion & Prüfung

[Bild: /images/wildarten/damwild.png Damwild im Lebensraum h:580

Das Damwild (Dama dama) ist eine mittelgroße Hirschart und steht in Körpergröße und Gewicht zwischen Reh- und Rotwild. Es war nach der letzten Eiszeit in Mitteleuropa verschwunden und wurde später wieder eingebürgert. Heute kommt Damwild in Deutschland in freier Wildbahn, in Jagdgattern sowie in Parkhaltungen vor. Für die Jägerprüfung sind besonders Schaufelgeweih, Sommerfleckung, Brunftverhalten, Jägersprache und die NRW-spezifische Bewirtschaftung wichtig.

Systematische Einordnung

  • Ordnung: Paarhufer (Artiodactyla)
  • Unterordnung: Wiederkäuer (Ruminantia)
  • Familie: Hirsche (Cervidae)
  • Unterfamilie: Echte Hirsche (Cervinae)
  • Gattung: Dama
  • Art: Damwild beziehungsweise Damhirsch (Dama dama)
  • Jagdliche Einordnung: Schalenwild, Hochwild

Das Damwild ist keine heimische Urform wie das Reh, sondern eine in Mitteleuropa wieder eingebürgerte Hirschart. Jagdlich und biologisch muss es sauber vom Rotwild und vom Rehwild unterschieden werden. Besonders wichtig sind dabei die mittlere Körpergröße, das Schaufelgeweih, die Fleckung der Sommerdecke und der lange Wedel.

Körperbau und Erscheinungsbild

  • Schulterhöhe: meist etwa 80 bis 100 cm
  • Körperlänge: bis etwa 175 cm
  • Gewicht Hirsch: häufig etwa 60 bis 100 kg, starke Stücke auch darüber
  • Gewicht Tier: meist etwa 35 bis 55 kg
  • Körperbau: gedrungener und kompakter als Rotwild, aber deutlich stärker als Rehwild
  • Läufe: verhältnismäßig lang und schlank
  • Wedel: lang, mit schwarzer Oberseite und heller Unterseite
  • Spiegel: weiß und deutlich schwarz umrahmt
  • Sommerdecke: rotbraun mit hellen Flecken und dunklem Aalstrich
  • Winterdecke: graubraun bis dunkelgrau; die Flecken sind dann deutlich schwächer sichtbar

Haarkleid und Farbschläge

Damwild zeigt mehrere Farbschläge. Neben der normal gefärbten Form kommen sehr helle, sehr dunkle und fast weiße Stücke vor. Für die Prüfung ist wichtiger als die exakte Benennung einzelner Farbschläge, dass Damwild insgesamt variabler gefärbt sein kann als Rot- oder Rehwild.

  • Normale Sommerdecke: rotbraun mit hellen Flecken und dunklem Aalstrich
  • Winterdecke: graubraun bis dunkelgrau; Flecken meist weniger deutlich
  • Helle, dunkle oder fast weiße Farbschläge kommen vor
  • Auch bei abweichenden Farbschlägen bleiben Wedel, Spiegel und Körperbau wichtige Ansprechmerkmale

Geweih

Nur der Hirsch trägt ein Geweih. Das Damwildgeweih ist durch die Ausbildung einer Schaufel unverwechselbar. Wie bei anderen Hirschen besteht das Geweih aus Knochensubstanz, wird jährlich abgeworfen und neu gebildet.

  • Abwurf: meist im März oder April
  • Neubildung: im Frühjahr und Frühsommer unter Basthaut
  • Verfegen: meist Ende August
  • Typisches Merkmal des erwachsenen Damhirsches ist die Schaufel am oberen Geweihabschnitt
  • Jagdlich gebräuchliche Bezeichnungen sind zum Beispiel Spießer, Knieper, Löffler, Halbschaufler und Schaufler
  • Nicht jeder stärkere Hirsch trägt automatisch eine voll ausgebildete breite Schaufel; Form und Stärke hängen von Alter, Veranlagung und Kondition ab

[Bild: /images/abbildungen/sg1/damwild_geweih.png Schaufelgeweih des Damwildes mit typischen jagdlichen Geweihformen h:430

[Vergleichstabelle: Geweih, Gehörn und Horn im Vergleich Merkmal Geweih Gehörn Horn Beispiel Rot-, Dam- und Sikahirsch Rehbock Muffelwild, Gamswild Material Knochensubstanz Knochensubstanz Hornscheide auf Knochenzapfen Abwurf jährlich jährlich kein jährlicher Abwurf Besonderheit beim Damwild oft mit Schaufelbildung beim Reh klein und meist wenigendig wächst dauerhaft weiter oder bleibt dauerhaft erhalten

Gebiss und Zähne

Als Wiederkäuer besitzt Damwild ein typisches Pflanzenfressergebiss. Für die Prüfung ist wichtig, wie Äsung aufgenommen und zerkleinert wird. Außerdem spielt der Unterkiefer bei der Altersbeurteilung in der Praxis eine Rolle.

  • Im Oberkiefer fehlen vorne Schneidezähne; dort befindet sich eine feste Kauplatte
  • Im Unterkiefer sitzen die Vorderzähne zum Abbeißen der Äsung
  • Die Backenzähne dienen dem Zerreiben der pflanzlichen Nahrung
  • Der Unterkiefer kann Hinweise auf Zahnwechsel, Zahnabnutzung und damit auf Alter und Kondition geben
  • Wie bei anderem Schalenwild erschwert starke Zahnabnutzung alten Stücken die Nahrungsaufnahme

[Bild: https://ibfhfxobisazdywjqxka.supabase.co/storage/v1/object/public/bilder/abbildungen/sg1/damwild-gebiss-v1.png Schematische Abbildung des Damwild-Gebisses mit Kauplatte, unteren Vorderzähnen, Backenzähnen und Unterkiefervergleich. h:430

Brunft

Die Brunft fällt beim Damwild in Mitteleuropa meist in den Oktober und reicht regional bis in den November. Anders als das Rotwild kann Damwild je nach Populationsdichte unterschiedlich brunften: territoriale Hirsche besetzen Brunftplätze oder Brunftreviere, andernorts versuchen Hirsche, Tiergruppen enger an sich zu binden.

  • Brunftzeit: meist Oktober bis November
  • Hirsche stoßen charakteristische heisere Brunftlaute aus
  • Bei territorialer Brunft schlägt der Hirsch eine Brunftkuhle
  • In die Brunftkuhle uriniert er häufig und suhlt sich darin; der starke Geruch wirkt als Signal
  • Während der Brunft stehen die Geschlechter nicht mehr so deutlich getrennt wie außerhalb der Brunft
  • Brunfthirsche äsen wenig und verlieren in dieser Zeit deutlich an Gewicht

Fortpflanzung und Entwicklung

  • Tragzeit: etwa 230 Tage
  • Setzzeit: meist Juni bis Juli
  • In der Regel wird ein Kalb gesetzt, Zwillinge sind selten
  • Kälber tragen ein geflecktes Tarnkleid
  • Zum Setzen ziehen sich die Tiere vom Rudel zurück
  • Die Kälber folgen der Mutter meist erst nach etwa 2 bis 3 Wochen
  • Schmaltiere können bereits in der Brunft des auf ihre Geburt folgenden Jahres erstmals beschlagen werden
  • Junge Hirsche sind bei der Fortpflanzung gegenüber älteren, stärkeren Hirschen meist unterlegen

Nahrung und Äsungstyp

Damwild gilt jagdlich als Mischäser beziehungsweise Zwischentyp. Es nutzt je nach Jahreszeit sowohl krautige als auch faserreichere Nahrung und ist damit weniger spezialisiert als das Rehwild.

  • Gräser und Kräuter
  • Blätter, Knospen und junge Triebe
  • Früchte sowie Baumfrüchte wie Eicheln und Bucheckern
  • Landwirtschaftliche Kulturen je nach Revier und Jahreszeit
  • Mehrere Äsungsphasen über den Tag verteilt; Aktivität sowohl tags als auch nachts

Damwild kann in Wald und Feld Verbiss-, Feg- und bei höheren Dichten auch Schälschäden verursachen. Für die Jagdpraxis ist deshalb der Zusammenhang zwischen Wilddichte, Lebensraumqualität, Beunruhigung und Wildschäden wichtig.

Lebensraum und Verbreitung

  • Bevorzugt deckungsreiche Laub- und Mischwälder mit Freiflächen, Schneisen und Lichtungen
  • Sehr anpassungsfähig und deshalb auch in lichteren Waldlandschaften und parkähnlichen Bereichen anzutreffen
  • Stammt ursprünglich aus Kleinasien und dem östlichen Mittelmeerraum
  • Nach Mitteleuropa wurde es vor rund 2.000 Jahren wieder eingebracht
  • Heute in Deutschland regional weit verbreitet, aber nicht flächendeckend wie das Rehwild
  • Kommt sowohl in freier Wildbahn als auch in Gattern und Parkhaltungen vor

In NRW darf Damwild außerhalb von Jagdgattern nur in festgelegten Damwildgebieten gehegt werden. Die aktuellen Verbreitungsgebiete nach der DVO LJG-NRW sind Knechtsteder Wald, Sophienhöhe und Königsdorfer Wald.

Sozialverhalten

Damwild ist eine sehr gesellige Wildart. Außerhalb der Brunft lebt es häufig in Rudeln, die sich nach Alter und Geschlecht gliedern.

  • Kahlwildrudel bestehen aus Tieren, Schmaltieren und Kälbern
  • Junge Hirsche bilden oft Junggesellenrudel
  • Stärkere alte Hirsche leben außerhalb der Brunft häufiger einzeln oder in kleinen Gruppen
  • Bei Gefahr flüchtet Damwild oft in charakteristischen Prellsprüngen
  • Der hochgestellte Wedel verstärkt dabei die Signalwirkung des Spiegels
  • Geruchssinn und Sehvermögen gelten als besonders wichtig

Jägersprache beim Damwild

  • Hirsch: männliches Stück Damwild
  • Tier oder Alttier: weibliches Stück Damwild
  • Schmaltier: weibliches Stück im zweiten Lebensjahr
  • Kalb: Jungtier im ersten Lebensjahr
  • Hirschkalb / Wildkalb: männliches bzw. weibliches Kalb
  • Kahlwild: alle weiblichen Stücke und Kälber
  • Geweih: Kopfschmuck des Hirsches
  • Schaufel: verbreiterter oberer Geweihteil
  • Wedel: Schwanz
  • Spiegel: heller, schwarz eingefasster Bereich am Hinterteil
  • Decke: Fell
  • Lauscher: Ohren
  • Lichter: Augen
  • Windfang: Nase
  • Äser: Maul
  • Fegen: Abstreifen des Bastes
  • Setzen: Gebären
  • Beschlagen: Begatten
  • Fährte: Spur des Schalenwildes
  • Tritt: einzelner Abdruck eines Laufes

Jagd auf Damwild

  • Konkrete Jagdzeiten richten sich nach dem jeweils geltenden Landesrecht
  • Damwild unterliegt in NRW grundsätzlich dem Abschussplan
  • Außerhalb von Jagdgattern darf Damwild in NRW nur in den festgelegten Verbreitungsgebieten gehegt werden
  • In Freigebieten ist die Abschussplanung darauf auszurichten, vorhandene Stücke nach den jeweils geltenden landesrechtlichen Vorgaben zu erlegen; ausgenommen sind Damhirsche der Klassen I und II
  • Wichtige Jagdarten sind Ansitz, Pirsch und Bewegungsjagd
  • Damwild ist nicht trichinenuntersuchungspflichtig

Damwild vs. Rotwild im Vergleich

[Vergleichstabelle: Damwild vs. Rotwild vs. Rehwild Merkmal Damwild Rotwild Rehwild Größe mittelgroß größte heimische Schalenwildart kleinste heimische Schalenwildart Kopfschmuck Schaufelgeweih Geweih mit Stangen und Krone jagdlich Gehörn Sommerdecke meist deutlich gefleckt einfarbig rotbraun einfarbig rotbraun Wedel lang und deutlich sichtbar deutlich sichtbar, aber kürzer als beim Damwild sehr kurz und kaum sichtbar Brunft Oktober/November September/Oktober Juli/August (Blattzeit) Äsungstyp Mischäser / Zwischentyp Mischäser / Intermediärtyp Konzentratselektierer Sozialverhalten sehr gesellig, häufig Rudel soziale Rudelbildung eher einzeln oder in kleinen Sprüngen

Typische Prüfungsfragen

1. Woran erkennen Sie Damwild sicher im Vergleich zu Rot- und Rehwild? 2. Wie heißt das weibliche Stück Damwild? 3. Wann brunftet das Damwild? 4. Was ist das typische Merkmal des Damhirschgeweihs? 5. Welchen Äsungstyp hat das Damwild? 6. Warum müssen Jagdzeiten beim Damwild immer nach dem jeweils geltenden Landesrecht genannt werden? 7. Wo darf Damwild in NRW gehegt werden?

Häufige Fehler in der Prüfung

  • Damwild wegen der Flecken mit Kälbern anderer Hirscharten verwechseln
  • Gehörn statt Geweih sagen
  • Tier, Alttier und Schmaltier unsauber verwenden
  • Brunftzeit mit Rotwild oder Rehwild verwechseln
  • Schaufelgeweih als sicheres Merkmal auch für jeden jungen Hirsch annehmen
  • Bundesjagdzeiten oder veraltete Zeiten nennen, statt nach dem jeweils geltenden Landesrecht zu antworten
  • Freigebiet und Verbreitungsgebiet in NRW verwechseln

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