Waffen- & Munitionskunde

Zielfernrohre

Das Zielfernrohr (ZF) ist das wichtigste Zubehör für die Büchsenjagd. Es vereint Vergrößerung und Zieleinrichtung in einem Gerät und ermöglicht präzise Schüs…

ca. 6 Min. Aktualisiert am 10.6.2026 Redaktion & Prüfung

Das Zielfernrohr (ZF) ist das wichtigste Zubehör für die Büchsenjagd. Es vereint Vergrößerung und Zieleinrichtung in einem Gerät und ermöglicht präzise Schüsse auf mittlere bis weite Entfernungen.

Aufbau

  • Objektiv (vorne): Sammelt das Licht – größer = heller
  • Umkehrlinse: Dreht das Bild wieder aufrecht
  • Absehen (Fadenkreuz): Die Zielmarkierung – verschiedene Formen
  • Okular (hinten): Hier schaut der Schütze durch
  • Mittelrohr: Verbindung, enthält Verstellmechanik (Klick-Türmchen)

Kennzahlen

Beispiel: 3-12×56 • 3-12: Variable Vergrößerung (3-fach bis 12-fach) • 56: Objektivdurchmesser 56 mm (exzellente Dämmerungsleistung)

Feste vs. variable Vergrößerung: • Fest (z. B. 6×42): Robuster, einfacher – weniger verbreitet • Variabel (z. B. 2,5-10×50): Flexibel – geringe Vergrößerung für Drückjagd, hohe für Ansitz

Absehen (Fadenkreuz)

  • Absehen 1 (Kreuz): Feines Fadenkreuz – für präzise Schüsse auf ruhende Ziele
  • Absehen 4 (dicke Balken, feines Zentrum): Schnelles Auffassen – ideal für Drückjagd
  • Leuchtpunktabsehen: Roter/grüner Punkt im Zentrum – für Dämmerung und Drückjagd

Bildebenen

  • 1. Bildebene (FFP – Front Focal Plane): Absehen verändert sich mit Vergrößerung. Proportionen bleiben korrekt → Entfernungsschätzung möglich
  • 2. Bildebene (SFP – Second Focal Plane): Absehen bleibt gleich groß → nur bei einer bestimmten Vergrößerung kalibriert

Parallaxe

Parallaxefehler entsteht, wenn das Bild des Ziels und das Absehen nicht in derselben Ebene liegen. Bei hochwertigen ZFs einstellbar (Parallaxe-Korrektur).

Montage

Das ZF wird über Montagen (Ringe, Schwenkmontage, Aufkippmontage) auf der Waffe befestigt. Nach der Montage: Kontrollschuss und sauberes Einschießen sind vor jagdlicher Verwendung zwingend erforderlich; häufig wird auf 100 m eingeschossen.

Empfehlungen nach Jagdart

  • Ansitzjagd: 3-12×56 oder 2,5-10×50 (hohe Vergrößerung, gute Dämmerung)
  • Drückjagd: 1-6×24 oder 1-8×24 (geringe Vergrößerung, schnelles Ziel)
  • Bergjagd: 3-15×42 oder 4-16×50 (weite Schüsse)

Kontrollschuss nach jeder Änderung

Nach Montage, Sturz, starkem Stoß, Munitionwechsel oder Verstellung der Optik muss die Treffpunktlage kontrolliert werden. Einschießen bedeutet nicht nur „auf 100 m treffen“, sondern eine nachvollziehbare, wiederholbare Treffpunktlage mit der tatsächlich jagdlich verwendeten Laborierung. Bei variablen Zielfernrohren muss der Schütze wissen, auf welcher Bildebene das Absehen liegt und bei welcher Vergrößerung eventuelle Haltemarken gelten.

Typische Prüfungsfragen

  • Was bedeutet 3-12×56?
  • Was ist der Unterschied zwischen 1. und 2. Bildebene?
  • Welches Absehen eignet sich für die Drückjagd?
  • Was ist Parallaxe?

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