Saustecken
Historisches Töten eines Wildschweins durch Stechen mit dem Jagdspieß oder Weidmesser.
Saustecken bezeichnet das handnahe Erlegen eines gestellten Wildschweins durch Stechen mit dem Jagdspieß (Sauspiess) oder Weidmesser. Diese Praxis war in der Parforcejagd und bei höfischen Jagden bis ins 19. Jahrhundert üblich und erforderte Mut und Fertigkeit. Heute ist diese Methode in Deutschland praktisch bedeutungslos, gilt aber als historischer Bestandteil der Jagdkultur.
Historischer Hintergrund
Das Saustecken gehörte zur Parforcejagd des Adels. Nachdem Hundemeuten das Wildschwein gestellt hatten, näherte sich der Hauptjäger oder der Jagdherr dem Tier und stieß ihm den Sauspiess (langer Speer mit Querholz gegen Einlaufen des Tieres) in Schulter oder Brust. Das Querholz des Sauspiesses verhinderte, dass sich das Tier die Waffe entlanglaufen konnte. Erst mit der Verbreitung zuverlässiger Schusswaffen verlor das Saustecken seine praktische Bedeutung.
Historisches Verfahren
Ein gestelltes Wildschwein ist äußerst gefährlich – ein Keiler kann Menschen mit seinen Hauern schwer verletzen. Beim Saustecken war präzise Kenntnis der Anatomie erforderlich: Der Stich musste Herz oder Lunge treffen, um das Tier schnell zu erlegen. Hilfshunde (Saukupler) hielten das Tier durch Beißen im Ohr oder Nacken fest. Diese Jagdform war ein Zeichen von Mut und Standeswürde. Das Weidmesser (lange Messerklinge) kam als einfachere Alternative zum Speer zum Einsatz.
Prüfungswissen
Saustecken ist in der modernen Jägerprüfung ein historischer Randbereich. Es kann im Kontext der Jagdgeschichte oder als Teil der Erklärung traditioneller Jagdmethoden abgefragt werden. Merke: In Deutschland ist heute das Erlegen von Wild nur durch Schusswaffe (oder Falle bei jagdbarem Raubwild) erlaubt; das Erstechen mit Messer oder Speer ist kein zugelassenes Erlegerverfahren nach BJagdG.
Verwandte Begriffe