Land- & Waldbau / Wildschäden

Ackerbau und Kulturen

Der Ackerbau bildet das Rückgrat der deutschen Landwirtschaft und ist für den Jäger von zentraler Bedeutung. Die verschiedenen Kulturpflanzen prägen die Revi…

ca. 18 Min. Aktualisiert am 10.6.2026 Redaktion & Prüfung

Der Ackerbau bildet das Rückgrat der deutschen Landwirtschaft und ist für den Jäger von zentraler Bedeutung. Die verschiedenen Kulturpflanzen prägen die Revierstruktur, bieten dem Wild Äsung und Deckung – oder entziehen sie ihm. Die Kenntnis der wichtigsten Kulturpflanzengruppen, der Zwischenfrüchte und ihrer Bedeutung für die Wildhege ist unverzichtbares Prüfungswissen. Gerade die Zwischenfrüchte und Kreuzblütler spielen eine Schlüsselrolle bei der Gestaltung wildtierfreundlicher Agrarlandschaften.

Kulturpflanzentypen im Überblick

Die auf Ackerland angebauten Kulturpflanzen lassen sich in vier Hauptgruppen einteilen

1. Getreide: Weizen, Roggen, Gerste, Hafer, Mais, Triticale – Hauptfruchtgruppe auf deutschen Äckern. Getreide sind Gräser (Familie Poaceae) und werden als Brotgetreide, Futtergetreide oder Energiepflanze angebaut.

1. Hackfrüchte: Kartoffel, Zuckerrübe, Futterrübe, Futtermöhre, Topinambur – werden in Reihen angebaut und durch Hacken (mechanische Unkrautbekämpfung) gepflegt. Bieten durch den weiten Reihenabstand gute Äsungsmöglichkeiten.

1. Ölfrüchte: Raps (wichtigste Ölfrucht), Sonnenblume, Lein – liefern pflanzliche Öle und Fette. Raps ist nach Getreide die wichtigste Ackerfrucht in Deutschland und bietet im Winter als Winterraps gute Deckung.

1. Leguminosen (Hülsenfrüchte): Erbsen, Bohnen, Kleearten, Lupinen, Esparsette – Stickstoffsammler! Binden über Knöllchenbakterien (Rhizobien) an ihren Wurzeln Luftstickstoff im Boden. Wichtig für die Fruchtfolge und als Äsungspflanzen.

[Vergleichstabelle: Kulturpflanzengruppen Gruppe Gruppe Beispiele Besonderheit Wildtierrelevanz Getreide Weizen, Roggen, Gerste, Hafer, Mais Gräser, Hauptfruchtgruppe Deckung und Äsung, Mais problematisch Hackfrüchte Kartoffel, Rüben, Topinambur Reihenkultur, Hacken gute Äsung, weiter Reihenabstand Ölfrüchte Raps, Sonnenblume liefern Öle Winterraps bietet Winterdeckung Leguminosen Klee, Lupinen, Esparsette Stickstoffsammler (Knöllchenbakterien) hervorragende Äsungs- und Hegepflanzen

Zwischenfrüchte – Schlüssel zur Wildhege

Zwischenfrüchte werden zwischen zwei Hauptfrüchten angebaut und sind für den Jäger als Hegemaßnahme von größter Bedeutung:

  • Sommerzwischenfrüchte: Anbau nach der Hauptfruchternte im Sommer, Nutzung vor dem Winter
  • Winterzwischenfrüchte: Anbau im Herbst, bleiben über den Winter stehen und werden im Frühjahr eingearbeitet. Diese sind für die Wildhege besonders wertvoll! Sie bieten dem Wild im kargen Winter Deckung und Äsung, wenn die Felder sonst kahl sind.
  • Stoppelfrüchte: Sehr kurze Vegetationszeit, Anbau direkt nach der Ernte in die Stoppel
  • Untersaaten: Werden gleichzeitig mit der Hauptfrucht eingesät und entwickeln sich nach deren Ernte weiter (z. B. Klee-Untersaat in Getreide)

Kreuzblütler (Brassicaceae) – Wichtige Kulturpflanzen

Die Familie der Kreuzblütler umfasst mehrere prüfungsrelevante Kulturpflanzen. Der Name leitet sich von den vier kreuzförmig angeordneten Blütenblättern ab.

  • Raps (Brassica napus): Wichtigste Ölfrucht Deutschlands. Leuchtend gelbe Blüte im April/Mai. Anbau als Winterraps (Aussaat August, Ernte Juli) oder seltener Sommerraps. Liefert Speiseöl und Biodiesel. Für Wild wichtig als Winterdeckung und Äsungspflanze.
  • Weißer Senf (Sinapis alba): Häufigste Zwischenfrucht überhaupt. Schnellwüchsig (keimt in 3–4 Tagen!), blüht gelb. Nicht frosthart – friert im Winter ab und bildet eine natürliche Mulchdecke. Als Gründüngung wertvoll. Für Wildhege nur bedingt geeignet, da nicht winterfest.
  • Markstammkohl (Brassica oleracea var. medullosa): Besonders prüfungsrelevante Äsungspflanze! Wird bis 1,5 m hoch mit dickem, markigem Stängel. Frosthart und steht daher den ganzen Winter als Äsung zur Verfügung! Wird von Reh- und Rotwild sowie Hasen gern angenommen. Wichtigste Winteräsungspflanze unter den Kreuzblütlern.
  • Ölrettich (Raphanus sativus var. oleiformis): Tiefwurzelnde Zwischenfrucht, die verdichtete Böden aufbricht. Gute Gründüngung. Nicht winterhart – friert im Winter ab. Weiße bis violette Blüten.

[Vergleichstabelle: Kreuzblütler im Vergleich Art Art Blütenfarbe Frosthärte Hauptnutzung Wildhege-Eignung Raps gelb frosthart (Winterraps) Ölfrucht, Biodiesel gut (Winterdeckung/Äsung) Weißer Senf gelb NICHT frosthart Zwischenfrucht, Gründüngung bedingt (friert ab) Markstammkohl gelb FROSTHART! Wildhege, Äsung hervorragend (Winteräsung!) Ölrettich weiß-violett NICHT frosthart Zwischenfrucht, Bodenlockerung bedingt (friert ab)

Leguminosen – Die Stickstoffsammler

Leguminosen (Hülsenfrüchte, Schmetterlingsblütler) haben eine einzigartige Eigenschaft: Sie leben in Symbiose mit Knöllchenbakterien (Rhizobien) an ihren Wurzeln und können dadurch Luftstickstoff binden und im Boden anreichern. Sie verbessern dadurch die Bodenfruchtbarkeit und sind wichtige Fruchtfolgeglieder.

• Kleearten: – Rotklee (Trifolium pratense): Wichtigste Kleeart im Ackerfutterbau. Wird bis 60 cm hoch mit roten Blütenköpfchen. 2–3 Jahre nutzbar. Hervorragende Bienenweide und Äsungspflanze. – Weißklee (Trifolium repens): Niedrigwüchsig, kriechend. Sehr trittfest, daher wichtig im Grünland und an Wegrändern. Gute Äsungspflanze. – Inkarnatklee (Trifolium incarnatum): Einjährig, mit leuchtend roten, länglichen Blütenständen. Gute Zwischenfrucht. – Alexandrinerklee (Trifolium alexandrinum): Einjährig, wärmebedürftig, für Zwischenfruchtanbau.

• Lupinen: – Blaue Lupine (Lupinus angustifolius): Schmalblättrig, für sandige Böden geeignet. Alkaloidarme Süßlupinen als Futter- und Hegepflanze geeignet. – Gelbe Lupine (Lupinus luteus): Ebenfalls für leichte Böden. Als Süßlupine für Wildhege geeignet. – Vielblättrige Lupine (Lupinus polyphyllus): Die Stauden-Lupine! NICHT für die Wildhege geeignet! Sie enthält hohe Alkaloidgehalte (Bitterstoffe/Giftstoffe) und ist zudem als invasiver Neophyt eingestuft, der natürliche Magerstandorte durch Stickstoffanreicherung degradiert.

  • Esparsette (Onobrychis viciifolia): Alte Futterpflanze mit rosa Schmetterlingsblüten. Tiefwurzelnd, kalkreiche Böden bevorzugend. Hervorragende Bienenweide und Äsungspflanze. Enthält Tannine, die gegen Magen-Darm-Parasiten bei Wiederkäuern (auch beim Wild!) wirken. In der modernen Landwirtschaft selten geworden, aber für die Wildhege sehr wertvoll.
  • Luzerne (Medicago sativa): „Königin der Futterpflanzen" – tiefwurzelnd (bis 5 m!), mehrjährig, sehr ertragreich. Blau-violette Blüten. Hervorragende Äsungspflanze und Bienenweide. Verträgt Trockenheit durch die tiefe Wurzel.

Ölfrüchte

  • Raps: Siehe Kreuzblütler (wichtigste Ölfrucht)
  • Sonnenblume (Helianthus annuus): Sommerkultur, wird bis 2,5 m hoch. Kerne sind ölreich und wichtige Vogelnahrung. Für Wild als Deckung und Äsung (Kerne) wertvoll. Nicht frosthart.
  • Lein/Flachs (Linum usitatissimum): Blaue Blüten, liefert Leinöl und Fasern. Seltener Anbau in Deutschland.

Sonderkulturen

  • Zu den Sonderkulturen zählen Obst, Gemüse, Hopfen, Tabak und Weinbau
  • Bewirtschafter von Sonderkulturen sind selbst für die Verhütung von Wildschäden verantwortlich! Dies ist ein wichtiger Prüfungspunkt.
  • Die Eigenverantwortung ergibt sich daraus, dass Sonderkulturen einen besonders hohen wirtschaftlichen Wert haben und der Jagdpächter diese speziellen Risiken nicht absichern kann

Typische Prüfungsfragen

1. Welche vier Hauptgruppen von Kulturpflanzen gibt es? → Getreide, Hackfrüchte, Ölfrüchte, Leguminosen.

2. Warum sind Winterzwischenfrüchte für die Wildhege wichtig? → Sie bieten dem Wild im Winter Deckung und Äsung, wenn die Äcker sonst kahl sind.

3. Welcher Kreuzblütler ist frosthart und damit besonders wertvoll für die Winteräsung? → Markstammkohl.

4. Warum ist die Vielblättrige Lupine nicht für die Wildhege geeignet? → Giftige Alkaloide und Status als invasiver Neophyt.

5. Was sind Leguminosen und was macht sie besonders? → Hülsenfrüchte, die über Knöllchenbakterien (Rhizobien) Luftstickstoff binden und den Boden mit Stickstoff anreichern.

6. Wer ist bei Sonderkulturen für die Wildschadensverhütung verantwortlich? → Der Bewirtschafter selbst.

Häufige Fehler und Stolperfallen

  • Markstammkohl wird mit Weißem Senf verwechselt: Markstammkohl ist frosthart, Weißer Senf friert ab!
  • Vielblättrige Lupine mit Süßlupinen verwechselt: Nur die Vielblättrige (polyphyllus) ist NICHT für Wildhege geeignet
  • Leguminosen als „normale Pflanzen" behandelt: Ihre Stickstofffixierung durch Knöllchenbakterien ist das entscheidende Merkmal
  • Zwischenfrüchte generell als Winterfrüchte betrachtet: Nur Winterzwischenfrüchte stehen über den Winter, Sommerzwischenfrüchte nicht
  • Sonderkulturen-Eigenverantwortung vergessen: Bei Obst, Gemüse, Hopfen etc. ist der Bewirtschafter selbst zuständig

Merkhilfen

  • Kulturpflanzengruppen: „GHÖL – Getreide, Hackfrüchte, Ölfrüchte, Leguminosen"
  • Kreuzblütler Frosthärte: „MARK bleibt stehen, SENF und ÖLRETTICH liegen" (frieren ab)
  • Lupinen: „VIELblättrig = VIEL Gift = NICHT für Wild!"
  • Leguminosen: „Hülse mit Knöllchen – sammelt Stickstoff für das Jährchen"
  • Esparsette: „Esparsette spart dem Wild die Wurmkur" (Tannine gegen Parasiten)

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