Jagdhunde

Einsatzgebiete von Jagdhunden

Der Einsatz brauchbarer Jagdhunde ist für die waidgerechte Jagdausübung unverzichtbar und teilweise gesetzlich vorgeschrieben. Die verschiedenen Einsatzberei…

ca. 18 Min. Aktualisiert am 10.6.2026 Redaktion & Prüfung

Der Einsatz brauchbarer Jagdhunde ist für die waidgerechte Jagdausübung unverzichtbar und teilweise gesetzlich vorgeschrieben. Die verschiedenen Einsatzbereiche lassen sich in Arbeit vor dem Schuss und Arbeit nach dem Schuss unterteilen. Jede Rasse bringt angeborene (angewölfte) Eigenschaften mit, die ihre Eignung für bestimmte Aufgaben bestimmen.

Angewölfte Eigenschaften

Angewölfte Eigenschaften sind angeborene, rassetypische Fähigkeiten und Verhaltensweisen: • Geruchssinn und Spurwille: Fähigkeit und Bereitschaft, Fährten aufzunehmen und zu verfolgen • Wasserfreude: Bereitschaft, ins Wasser zu gehen und zu schwimmen • Bringfreude: Natürliche Neigung, Gegenstände und Wild zum Führer zu tragen • Wildschärfe: Bereitschaft, Wild anzugreifen und festzuhalten • Vorstehen: Angeborene Fähigkeit, bei Witterungsfund zu erstarren (nur Vorstehhunde!) • Laut: Art der Stimmgebung bei der Arbeit (laut, spurlaut, stumm)

Arbeit VOR dem Schuss

Suche und Vorstehen (Vorstehhunde)

Der Vorstehhund sucht in weiträumiger Quersuche mit hoher Nase gegen den Wind. Bei Witterungsfund erstarrt er blitzartig – dies ist das Vorstehen.

Die 5 Schritte des Vorstehens: 1. Weiträumige Quersuche gegen den Wind 2. Witterung aufnehmen (Wittterungsfund) 3. Schlagartiges Erstarren (Vorstehen) 4. Nachziehen bei sich bewegendem Wild 5. Durchstehen beim Aufstehen des Wildes

Unerwünschtes Verhalten bei Vorstehhunden: • Hetze (Nachprellen): Hund verfolgt aufstehendes Wild – schwerer Fehler • Einspringen: Hochmachen nach kurzem Vorstehen ohne Kommando • Blender: Vorstehen ohne Wild (täuscht Witterungsfund vor) • Blinker: Ausweichen vor wahrgenommenem Wild (verleugnet Wild)

Weitere Einsatzarten vor dem Schuss: • Buschieren: Suche unter der Flinte in Schussnähe (Vorstehhunde, Stöberhunde) • Stöbern: Lautes Heraustreiben von Wild aus dichter Deckung (Stöberhunde, Bracken) • Brackieren: Laut jagendes Verfolgen von Hasen und Füchsen (Bracken, Stöberhunde) • Bauarbeit: Einsatz gegen Raubwild (Fuchs, Dachs) im Bau (Erdhunde: Teckel, Terrier)

[Bild: /images/abbildungen/sg2/jagdhunde_einsatzgebiete_schema.png Schema Einsatzgebiete Jagdhunde vor und nach dem Schuss

Arbeit NACH dem Schuss

Schweißarbeit (Nachsuche): Führen auf der Wundfährte zum kranken oder erlegten Schalenwild. Spezialisten: Schweißhunde (BGS, HS und Alpenländische Dachsbracke), aber auch ausgebildete Vorstehhunde und Teckel.

Verlorenbringen: Suche und Apportieren von verlorenem Niederwild (Hase, Fasan, Ente). Spezialisten: Apportierhunde, Vorstehhunde, Stöberhunde.

Ungeeignete Hunde beim Verlorenbringen: • Anschneider: Frisst gefundenes Wild an • Totengräber: Vergräbt gefundenes Wild • Knautscher: Beschädigt Wild durch zu starkes Quetschen beim Tragen

[Vergleichstabelle: Einsatzgebiete und Hundegruppen Einsatz Beschreibung Geeignete Gruppen Vorstehen Erstarren bei Witterungsfund Vorstehhunde Buschieren Suche unter der Flinte Vorstehhunde, Stöberhunde Stöbern Heraustreiben aus Deckung Stöberhunde, Bracken Brackieren Laut jagendes Verfolgen Bracken, Stöberhunde Bauarbeit Arbeit im Fuchs-/Dachsbau Erdhunde (Teckel, Terrier) Schweißarbeit Nachsuche auf Schalenwild Schweißhunde, Vorstehhunde Verlorenbringen Apportieren von Niederwild Apportierhunde, Vorstehhunde

Waidmannssprache

  • Hasenrein: Hund verfolgt aufstehende Hasen nicht
  • Rehrein: Hund verfolgt gesundes Rehwild nicht
  • Bogenrein: Hund bleibt bei Treibjagden im zugewiesenen Bogen
  • Stechen: Herausstoßen eines Hasen aus der Sasse

Einsatz nach Wildart und Jagdart

Der richtige Hund hängt von Wildart, Gelände, Jagdart und gesetzlichem Brauchbarkeitsnachweis ab. Bei Wasserwild steht sichere Apportier- und Wasserarbeit im Vordergrund, bei Schalenwild die Nachsuche, bei Bewegungsjagden kontrolliertes Stöbern oder spurlautes Jagen. Ein ungeeigneter Hund gefährdet Jagderfolg, Sicherheit und Tierschutz.

Typische Prüfungsfragen

1. Nennen Sie die 5 Schritte des Vorstehens. 2. Was ist ein Blender, was ist ein Blinker? 3. Welche Hunde sind beim Verlorenbringen ungeeignet? 4. Was bedeutet hasenrein?

Häufige Fehler und Stolperfallen

  • Blender und Blinker vertauschen
  • Vorstehen als trainierbare Eigenschaft bezeichnen: Es ist ANGEBOREN (angewölft)
  • Schweißarbeit und Verlorenbringen verwechseln: Schweißarbeit = Schalenwild, Verlorenbringen = Niederwild

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